Rohölreserven-Skandal Shells Nigeria-Connection

Bereits zweimal musste Royal Dutch/Shell seine langfristigen Öl- und Gasreserven in der Bilanz nach unten korrigieren. Jetzt zeichnet sich ab, dass der Energiekonzern mit dem aufgeblähten Zahlenwerk die nigerianische Regierung politisch unterstützen wollte.

Washington - Shells unkorrekte Angaben zu den Reserven seien politisch motiviert gewesen, berichtet die "New York Times" (NYT). Das Unternehmen hat inzwischen zugeben müssen, dass die in den Konzernabschlüssen angegeben Werte um mehr als 20 Prozent zu hoch angesetzt waren - die Börsenaufsichten in den USA, Holland und Großbritannien haben Untersuchungen gegen Shell eingeleitet.

Bei den in der Bilanz angegebenen Öl- und Gasreserven handelt es sich nicht um bereits geförderte Brennstoffe, sondern um solche, auf die ein Unternehmen aufgrund von Verträgen und Ausbeutungsabkommen in der Zukunft ein Anrecht hat. In der Branche gilt der Wert als wichtiger Indikator für die Zukunft von Förderunternehmen.

Inzwischen kristallisiert sich heraus, dass der inzwischen geschasste Konzernchef Sir Philip Watts sowie weitere Manager schon seit längerem wussten, dass die in der Bilanz angegebenen Reserven deutlich überhöht waren. In den Medien war zunächst über finanzielle Motivationen der an dem Skandal beteiligten Personen spekuliert worden, weil die sich hohe Förderreserven positiv auf die Jahresboni des höheren Managements auswirken.

Rückendeckung für die politischen Freunde

Der "NYT" zufolge wollte Shell mit dem positiven Reserveausblick jedoch auch die nigerianische Regierung unterstützen. Nigeria ist der siebtgrößte Ölproduzent der Welt und einer von Shells wichtigsten Partnern. Seit geraumer Zeit bemüht sich das Land bei der Organisation Erdöl fördernder Länder (Opec), eine höhere Förderquote durchzusetzen. In der Diskussion mit der Opec sei die Höhe der vorhandenen Ölreserven im Afrikas bevölkerungsreichstem Staat ein wichtiger Faktor.

Interne Dokumente belegten, dass Shell sich dieses Umstands bewusst gewesen sei und sich entschlossen habe, die Reserven nicht zusenken, um Nigerias Regime nicht zu verprellen. Das Blatt zitiert ein internes Dokument, in dem ein Shell-Manager von einer Herabstufung der Nigerianischen Reserven abrät. Diese sollten "mit Hinblick auf Empfindlichkeiten in dem Gastland vertraulich" bleiben. Ein anderes Papier stelle fest, dass die Buchung von etwa 1,5 Milliarden Barrel an nigerianischen Reserven nicht oder möglicherweise nicht mit den Bilanzierungsstandards der US-Börsenaufsicht SEC vereinbar sei.

Shell weigert sich bisher, die herab gestuften Reserven detailliert aufzuschlüsseln. Ein Sprecher erklärte dem Blatt gegenüber lediglich, dass Nigeria einen "signifikanten Anteil" an der Korrektur der Reserven ausmache.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.