Rohstoffe Schröder verteidigt Expansion russischer Energiefirmen
Moskau - "Europa sollte den russischen Unternehmen die gleichen Rechte einräumen, wie europäischen Konzernen in Russland gewährt werden", sagte Gerhard Schröder auf einer Investoren-Konferenz in Moskau. Forderungen innerhalb der EU, die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen zu beenden, seien "irreführend".
Der frühere Kanzler Schröder ist inzwischen Aufsichtsratsvorsitzender der Betreibergesellschaft für den Bau der neuen Ostsee-Pipeline, einer Tochter von Gasprom. Der Konzern, der mehrheitlich in russischem Staatsbesitz ist, versucht derzeit verstärkt in das europäische Endkundengeschäft einzusteigen. Unter anderem will er nach eigenen Angaben in den britischen Markt investieren. Gasprom-Chef Alexej Miller kündigte Ende April zudem weitere Investitionen in Deutschland an.
In den vergangenen Monaten hatte die Gasprom-Führung wiederholt geklagt, der Westen verhindere einen Einstieg des weltgrößten Gasförderers innerhalb der EU. Gasprom liefert ein Viertel des in Europa verbrauchten Erdgases und will seinen Anteil nach dem Bau der geplanten Ostsee-Pipeline nach Deutschland auf ein Drittel steigern. Die sechs Milliarden Dollar teure Pipeline durch die Ostsee soll ab 2010 Erdgas aus Sibirien liefern.
Die Expansionspläne von Gasprom hatten in Europa Bedenken ausgelöst, nachdem Russland Anfang des Jahres in einem Preisstreit mit der Ukraine seine Gaslieferungen an das Nachbarland vorübergehend eingestellt hatte. Wegen des Exportstopps kam auch in den Leitungen einiger westeuropäischer Länder weniger Gas an als mit Gasprom vereinbart. Dadurch entstanden Befürchtungen vor einer zu starken Abhängigkeit in Europa von Gasprom. Der russische Präsident Wladimir Putin steht außerdem seit dem Gasstreit in der Kritik, die Energieexporte zunehmend für außenpolitische Ziele des Kremls zu instrumentalisieren.
Gasprom macht den Großteil seines Umsatzes in Europa. Aber die EU solle nicht so tun, als ob die Russen dankbar dafür sein müssten, Öl und Gas liefern zu dürfen, sagte Schröder. Die gegenseitige Abhängigkeit könne aber Vertrauen schaffen.
Russland sei der wichtigste Energiepartner für Deutschland erklärte Schröder. Die energiereichen Länder des Nahen Ostens sowie die afrikanischen Förderstaaten seien keine zuverlässigen Alternativen zu Russland. "Es gibt keine stabilere Förderregion für Öl und Gas als Russland", bekräftigte der Altkanzler, der in Moskau bis heute als wichtiger Fürsprecher russischer Interessen in Europa gilt.
Dabei war die Berufung Schröders als oberster Aufseher heftig umstritten. Eine kurz vor Schröders Amtsende von der rot-grünen Bundesregierung bewilligte Staatsbürgschaft für die Ostseepipeline hatte in diesem Zusammenhang für politischen Wirbel gesorgt. Gasprom hatte später auf die Bürgschaft verzichtet.
tim/Reuters