Umstrittener Publizist Roland Tichy gibt Leitung der Ludwig-Erhard-Stiftung auf

Der Publizist Roland Tichy wird nach breiter Kritik den Vorsitz der Ludwig-Erhard-Stiftung abgeben. Auslöser war die sexistische Schmähung einer SPD-Politikerin in Tichys Magazin.
Publizist Roland Tichy

Publizist Roland Tichy

Foto: Jan Woitas / dpa

Der umstrittene Publizist Roland Tichy gibt nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung " im Oktober die Leitung der Ludwig-Erhard-Stiftung ab. Grund dafür ist eine breite Welle der Kritik an Tichy, nachdem sein Magazin "Tichys Einblick" einen frauenfeindlichen Kommentar gedruckt hatte. So hatte die Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär (CSU), ihre Mitgliedschaft in der Stiftung aus Protest gegen den Vorsitzenden Tichy gekündigt.

Inzwischen hat die Stiftung den Vorgang auch selbst bestätigt. In einem Schreiben des Vorstands an die Mitglieder, das dem SPIEGEL vorliegt, heißt es, Tichy werde sich bei der Mitgliederversammlung Ende Oktober nicht mehr zur Wiederwahl stellen. Gleiches gelte auch für den Stellvertreter Oswald Metzger und Schatzmeister Alexander Tesche.

Zuvor war der Druck auf die Stiftung immer größer geworden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sowie der Vorsitzende der Mittelstandsunion Carsten Linnemann hatten am Donnerstag ebenfalls angekündigt, mit sofortiger Wirkung ihre Mitgliedschaft in der Stiftung ruhen zu lassen. Das CDU-Präsidiumsmitglied Spahn und der CDU/CSU-Fraktionsvize Linnemann erklärten dazu in Berlin: "Die Ludwig-Erhard-Stiftung ist eine Institution mit langer Tradition und dem Erbe des Namensgebers verpflichtet."

Leider sei seit geraumer Zeit eine Debattenkultur von führenden Vertretern der Stiftung festzustellen, die dieser Verantwortung nicht gerecht werde. "Das schadet dem Ansehen Ludwig Erhards. Deshalb haben wir uns entschieden, unsere Mitgliedschaft bis auf Weiteres ruhen zu lassen."

Roland Tichy war lange Chefredakteur mehrerer angesehener Wirtschaftsmagazine, darunter die "Wirtschaftswoche". Seit einigen Jahren betreibt er das umstrittene Webportal "Tichys Einblick" sowie ein gleichnamiges gedrucktes Magazin. Beide stehen seit Jahren wegen rechtspopulistischer Tendenzen in der Kritik.

Tichy selbst hat etwa immer wieder mit historisch belasteten Begriffen provoziert. So schrieb er Anfang des Jahres auf Twitter zur CDU-internen Debatte über einen möglichen Ausschluss der sogenannten WerteUnion von einer "Säuberung von unerwünschten Elementen in der CDU". Auch durch seine Kritik am angeblich einseitig berichtenden "Haltungsjournalismus" der etablierten Medien versuchte Tichy, Leser für seine Publikationen zu gewinnen.

In dieser Woche hatte ein frauenfeindlicher und sexistischer Beitrag über die SPD-Politikerin Sawsan Chebli für breite Empörung gesorgt. Die CSU-Politikerin Bär sagte dem "Handelsblatt", der Beitrag sei der Grund für ihre Entscheidung, die Stiftung zu verlassen. Die Publikation sei "frauenverachtend und in höchstem Ausmaß sexistisch", so Bär.

Ökonomen begrüßen Tichys Abschied

Unter einem Bild Cheblis war in dem Beitrag in "Tichy Einblick" zu lesen: "Was spricht für Sawsan? Befreundete Journalistinnen haben bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können in der Spezialdemokratischen Partei der alten Männer."

Einige prominente Mitglieder der Ludwig-Erhard-Stiftung reagierten erleichtert auf die Meldung von Tichys Abschied.

Der Düsseldorfer Ökonom Justus Haucap sagte dem SPIEGEL, er sei überzeugt, dass "es gut ist, dass Herr Tichy jetzt zurücktritt". Es habe in der Stiftung "schon länger rumort", etwa zu Jahresbeginn. Im Februar hatte Tichy Angela Merkel auf Twitter mit dem Kommentar "Heil Dir, Kanzlerin!" indirekt mit Adolf Hitler verglichen.

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Ähnlich wie Haucap äußerte sich auch Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft. "Der Weg für einen personellen Neuanfang ist frei. Tichy war nicht mehr tragbar für diese wichtige Stiftung", sagte Hüther dem SPIEGEL.

Doch es gibt offenbar auch Mitglieder der Stiftung, die Tichys Abgang kritisch sehen - etwa der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank und heutige Leiter der Flossbach von Storch Research Institutes, Thomas Mayer. Er vergleicht den strittigen Artikel aus Tichys Magazin mit einer Glosse aus der "Tageszeitung" ("taz"), die wegen abwertender Aussagen über Polizisten vor allem im konservativen politischen Spektrum für Aufregung gesorgt hatte.

"Natürlich war der Artikel, an dem Frau Bär Anstoß genommen hat, dumm - wie eben auch der abwertende Satz über Polizisten in der 'taz'", sagte Mayer dem SPIEGEL. "Aber wer liberale Prinzipien hochhält, sollte das aushalten können." Leider befinde sich "in unserer Gesellschaft jedoch der politische Moralismus im Aufwind, mit dem missliebige Stimmen an den Rand gedrückt werden sollen."

Die Aussage zeigt, wie gespalten die wirtschaftsliberale Stiftung ist. Auch wenn ein Großteil der Mitglieder froh sein dürfte, Tichy loszuwerden, so hatte er doch bis zuletzt noch einige Unterstützer.

beb/dab/mfh/stk/dpa
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