Ron Sommer Keine Selbstzweifel

Trotz des dramatischen Kursverfalls der T-Aktie sieht Ron Sommer seinen Position als Telekom-Chef nicht gefährdet. Der Aktienkurs werde steigen, gibt er sich sicher.


Rückendeckung von der Bundesregierung für Ron Sommer
AP

Rückendeckung von der Bundesregierung für Ron Sommer

Hamburg - Den Aktionären macht Sommer gegenüber "Bild" Hoffnung, dass der Aktienkurs bald wieder steigen werde. Wörtlich sagte der Telekom-Chef: "Alle Technologiewerte weltweit sind in einen Sog nach unten geraten. Es werden diejenigen sehr schnell wieder steigen, deren Strategie die Richtige ist. Dazu werden auch wir gehören."

Auch angesichts von Vorwürfen, Managementfehler begangen zu haben, sieht Sommer keinen Grund für einen Rücktritt. "Dafür sehe ich keinen Anlass, weil wir in den vergangenen Jahren ein hervorragendes Fundament gebaut haben, um die Zukunft erfolgreich meistern zu können", sagte er.

Zuvor hatte sich die Bundesregierung hinter den Telekom-Chef gestellt. In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung des Bundespresseamtes zu den Rücktrittsgerüchten hieß es, das operative Geschäft der Telekom sei Sache "vor allem des Vorstandsvorsitzenden, mit dem die Bundesregierung vertrauensvoll zusammenarbeitet". Die Bundesregierung wies darüber hinaus "Einmischungsversuche von Oppositionspolitikern" bei der Deutschen Telekom "scharf zurück".

Laut einem Bericht der "Welt am Sonntag" soll der Aufsichtsrat der Telekom bereits potenzielle Nachfolger für den Telekom-Chef sondiert haben. Als mögliche Kandidaten würden Bahn-Aufsichtsratschef Dieter Vogel, Carsten Schloter, Vorstandsmitglied bei der Swisscom, und Vertriebs-Telekomvorstand Josef Brauner gelten. In Regierungskreisen werde spekuliert, ob Sommer bereits in den kommenden Tagen seinen Posten räumen muss.

Sommer, der zum Wochenschluss betont hatte, er wackele nicht, soll nach Informationen des Blattes bereits zu Beginn der Woche dem Telekom-Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus seine Demission angeboten haben, wenn die Bundesregierung ihm nicht eine Ehrenerklärung gebe. Doch Kanzler Gerhard Schröder soll diese Bitte mit einem "deutlichen Nein" verwehrt haben. Schlusspunkt eines offenbar seit langem gestörten Verhältnisses, schreibt die "WamS".

So soll Sommer bereits im Vorfeld der UMTS-Versteigerung vergangenen Herbst vor den kostentreibenden Regeln der Versteigerung gewarnt und um ein Termin beim Kanzler gebeten haben. Auch diese Anfrage soll Bundeskanzler Schröder verneint haben. Sommer soll kaum noch Kontakt ins Kanzleramt sowie ins Wirtschafts- und Finanzministerium haben, heiße es. Das Blatt zitierte einen nicht näher genannten Insider mit den Worten: "Den engen Draht in die Politik, wie etwa nach der Wahl 1998, gibt es nicht mehr. Das Verhältnis ist endgültig zerstört."

Finanzministerium gerät in die Kritik

Der Kurs der Telekom-Aktie ist dramatisch eingebrochen

Der Kurs der Telekom-Aktie ist dramatisch eingebrochen

Der FDP-Fraktionsvize Rainer Brüderle fordert nach Angaben der "Welt am Sonntag", Bundesfinanzminister Hans Eichel müsse als Hauptaktionär mit Sommer sehr intensive Gespräche führen. Im Sinne der Kleinaktionäre solle nun geprüft werden, ob es Prospekthaftungsansprüche gegen die Telekom gebe. Die FDP habe ein solches Prüfbegehren über den Rechnungshof beantragt.

Elmar Müller, Vorsitzender des Beirats der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, sagte nach Angaben des Blattes: "Ich denke, die Situation hat einen Zeitpunkt erreicht, an dem ein Rücktritt von Ron Sommer unausweichlich ist."

Zugleich gerate wegen des dramatischen Kursverfalls der T-Aktie nun auch das Finanzministerium unter Beschuss, schrieb die Zeitung. Christine Scheel, finanzpolitische Sprecherin der Grünen und Vorsitzende des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages will nach Informationen des Blattes noch in dieser Woche das Finanzministerium zu einer Stellungnahme auffordern, wie sich die Situation der Telekom aus Sicht der Regierung darstellt.

Versäumnisse der Bundesregierung kritisierte Gunnar Uldall, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. "Der Hauptgesellschafter trägt eine große Verantwortung und daher hätten sich Bundeskanzler Schröder und Finanzminister Eichel schon längst einschalten müssen."



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.