Ron Sommer "Mein Stuhl wackelt nicht"

Aktionäre drohen der Deutschen Telekom nach der Neubewertung ihres Immobilienbesitzes mit der Justiz. Telekom-Chef Ron Sommer sieht dagegen keine Versäumnisse des Bonner Konzerns. Seinen Rücktritt schließt er aus.


Ron Sommer: In der Kritik
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Ron Sommer: In der Kritik

Bonn/München - Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf kündigte am Donnerstag an, nun eine Prospekthaftungsklage zu prüfen. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Freitagausgabe) erklärt Sommer: "Wir sind sofort an die Öffentlichkeit gegangen, als uns die Zahlen der Gutachter vorlagen. Mein Stuhl wackelt nicht, und wenn es noch so oft geschrieben wird.“ Der Kursverfall der T-Aktie kam vorübergehend zum Stillstand.

Aus Sicht der Aktionäre sei zu klären, warum die Wertansätze für die Immobilien erst jetzt und in solch drastischem Umfang korrigiert worden seien, forderte die DSW. Der Immobilienmarkt sei bereits vor Jahren nach unten gegangen. Am Vortag hatte der Telekom-Konzern mitgeteilt, dass sich durch eine niedrigere Bewertung des Immobilienbestandes um zwei Milliarden Euro (3,9 Milliarden DM) der Konzernüberschuss für 2000 um 20 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro verringern werde. Nach Darstellung Sommers handelt es sich um eine reine bilanztechnische Maßnahme. Es gebe eine ganze Menge stiller Reserven.

In einem Brief an die Konzernmitarbeiter rechtfertigte Sommer seine Strategie und gab den Medien eine Mitschuld an dem Verfall des Aktienkurses: Zwischen veröffentlichter Meinung und Kursentwicklung gebe es Zusammenhänge. Weil die "eher negative Schlagzeile mehr Aufmerksamkeit und Interesse verspricht", habe die Telekom auch Probleme in der öffentlichen Berichterstattung, hieß es in dem Schreiben. In diesem Zusammenhang wies er Rücktritts-Gerüchte erneut als völlig haltlos zurück: "Die Spekulationen um meine Person in den letzten Tagen entbehren jedweder Grundlage", schrieb Sommer.

Rückendeckung erhielt Sommer von der Deutschen Postgewerkschaft. Die Kritik an der Wirtschaftskraft und Stabilität der Telekom sei "völlig überzogen", sagte Vorsitzender Kurt van Haaren. "Zur Panikmache gegen die Telekom besteht kein Anlass".

Deutliche Kritik an Sommer äußerte der Vorsitzende des Verbandes für Post und Telekommunikation, Manfred Herresthal: "Ron Sommer hat eindeutig Missmanagement betrieben. Er muss jetzt seine persönlichen Konsequenzen ziehen", sagte er der "BILD"-Zeitung (Donnerstagausgabe). Auch der Wettbewerbsexperte der CDU/CSU- Bundestagsfraktion kritisierte: "Wenn er nicht aufhört, die Schuld bei anderen zu suchen, ist ein Rücktritt unausweichlich".



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