Ron Sommer Zu heiß gekocht

Ron Sommer war das Opfer des bisher größten Kesseltreibens in der deutschen Wirschaftsgeschichte. Nach dem Showdown schweigt er eisern. Selbst seine engsten Vertrauten können nur vermuten, was er jetzt tut.

Von Carsten Matthäus


Ron Sommer
[M] DDP; SPIEGEL ONLINE

Ron Sommer

Hamburg - "Den Pilotenschein wird er wohl bald in der Tasche haben", sagt Jürgen Kindervater über seinen ehemaligen Chef. Der einst so mächtige Kommunikationsmanager der Telekom ist heute freier Berater in München. Vom derzeitigen Leben Ron Sommers, mit dem er in den vergangenen sieben Jahren durch einen wahren Informationskrieg gegangen ist, kann oder will er nicht viel verraten: "Ob er viel Golf spielt, kann ich nicht sagen. Er versucht, Abstand zu gewinnen."

Dass er Abstand halten kann, wenn es um seine persönlichen Befindlichkeiten geht, hat Ron Sommer seit seinem spektakulären Abgang am 16. Juli vergangenen Jahres bewiesen. Selbst Peter Glotz, der sich 2001 als Sommers Biograf versucht hatte, kann nur mit Spekulationen aufwarten. Im Rheinischen Merkur schrieb er: "Noch hat der frühere Chef der Deutschen Telekom den Entzug nicht geschafft. Will er ihn überhaupt? Nach Glotz' Ansicht macht Sommer den Eindruck, "als sei er mit sich im Reinen". Unzufriedenheit oder Ratlosigkeit zeige er "nicht mit einem einzigen Wimpernschlag".

"Hihaho, der Sommer ist k.o.!"

Das ist es dann aber auch schon, was über den einstigen Telekom-Chef in Erfahrung zu bringen ist. Der 53-jährige hat sich völlig aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Das Privatleben mit Frau Ingrid und den beiden Söhnen Marc und Ken hat er schon zu seinen Glanzzeiten aus den Illustrierten heraus gehalten. Wie wichtig ihm dieses Rückzugsgebiet ist, hat er bei seinem letzten öffentlichen Auftritt durchblicken lassen: "Dankbar in hohem Maße bin ich auch meiner Familie, die in diesem Jahr Beanspruchungen standhalten musste, wie wir sie bis dahin nicht gekannt hatten. Sie hat dies hervorragend gemeistert und mir dadurch einen unverzichtbaren Rückhalt geboten."

In der Rücktrittsrede gestand sich Sommer noch eine andere persönliche Bemerkung zu. "Die öffentliche Diskussion der letzten Woche mit all ihren Spekulationen, Gerüchten und Dementis hat mich sehr betroffen gemacht". Und selbst dieser Satz dürfte wohl nur unzulänglich die Gefühle von jemandem umschreiben, der von Aktionären, Journalisten und schließlich auch von der Bundesregierung mit den schärfsten Parolen aus dem Amt geprügelt wurde. Zu den Pfiffen und Rufen "Hihaho, der Sommer ist k.o.!" (Aktionäre auf der Hauptversammlung) kamen Titel wie "Vernichter des Volksvermögens", "Blender" und "Bibelverkäufer". Im Eifer des Wahlkampfes opferte dann auch Bundeskanzler Gerhard Schröder den smarten Telekom-Chef auf dem Altar des Volkszorns. Und vermied publikumswirksam jedes Wort des Bedauerns: "Solche Kategorien sind in meinem und seinem Gewerbe nicht üblich", sagte er und quittierte alle weiteren Fragen zum Telekom-Chef mit eisigem Schweigen.

Der Politiker und "The Wunderkind"

Unzählige Male hatte Schröder zuvor die Nähe des Telekom-Chefs gesucht, der ihm in Sachen Medienpräsenz nicht selten etwas vormachte. Zu jeder Cebit-Eröffnung gehörte das "Familienfoto" vom ehrgeizigen Politiker und "The Wunderkind", wie Sommer von amerikanischen Zeitungen achtungsvoll betitelt wurde. Der Telekom-Chef war lange Zeit zumindest vordergründig erfolgreich darin, aus einem lahmenden Staatsbetrieb einen "Global Player" zu machen - mit gehöriger Unterstützung der Bundesregierung. Doch als der Aktienkurs einbrach, die "Erfolgsstory UMTS" (Sommer) mit horrenden Schulden begann und sich der Kauf des US-Mobilfunkanbieters VoiceStream als viel zu teuer herausstellte, hatte Sommer sein Kapital als schlauer Sonnyboy der deutschen Manager verspielt.

Spätestens nach der Hauptversammlung am 28. Mai war der Telekom-Chef endgültig zum Abschuss freigegeben. Dort hatte er trotz eines drastischen Kursverfalls eine Erhöhung der Managerbezüge angekündigt. Was folgte, war eine beispiellose Schlammschlacht, an der sich am Ende sogar der glücklos agierende Aufsichtsratsvorsitzende der Telekom, Hans-Dietrich Winkhaus, beteiligte. Nach tagelangem Ringen um die Abfindung, die bei 11,6 Millionen Euro gelegen haben soll, gibt Sommer endgültig auf. Sein einstiger Presse- und Marketingchef Kindervater glaubt auch nicht, dass er sich bald wieder zurückmeldet: "Ron Sommer ist zu heiß gekocht worden, das muss jetzt abkühlen".



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