Rosskur Telekom will Callcenter schließen

Telekom-Chef René Obermann treibt den Konsolidierungskurs ungebremst voran. Einem Magazinbericht zufolge sollen jetzt die Callcenter auf Effektivität getrimmt werden. Die Hälfte der Servicezentren wird die Rosskur nicht überleben.


Bonn/München - Rund 60 Callcenter halten derzeit den Kontakt zu den Kunden in Deutschland. Nach Informationen des Magazins "Focus" werden jedoch am Ende kaum die Hälfte davon übrig bleiben. Nach Informationen der Deutschen Presse Agentur dpa sollen mehrere Tausend der insgesamt 18.000 Mitarbeiter dieses Bereichs von dem Umbau betroffen sein. Die Telekom bestätigte am Sonntag zwar grundsätzlich, dass sie Callcenter zusammenlegen will, nannte jedoch keine konkreten Zahlen. Telekom-Chef René Obermann fährt einen strikten Sparkurs und forciert den Umbau des Unternehmens. Jährlich fallen mehrere Tausend Stellen weg.

DPA
Nach Berechnungen des Bonner Konzerns ließen sich nur noch Callcenter mit 400 bis 500 Mitarbeitern wirtschaftlich betreiben, berichtet der "Focus" weiter. Allein in Nordrhein-Westfalen sollen demnach von neun Callcentern nur noch fünf übrigbleiben, die Standorte Köln und Mönchengladbach würden geschlossen. Obermann habe bereits die Bürgermeister in den betroffenen Städten informieren lassen, wo Hunderte Arbeitsplätze wegfallen würden. Der Telekom-Sprecher erklärte, Einzelheiten könnten noch nicht genannt werden. Klar sei, dass zunächst die Sozialpartner unterrichtet und an den Standorten Gespräche geführt würden.

Die Telekom verfügt dagegen nach eigenen Angaben in Nordrhein-Westfalen über Callcenter in 14 Städten.

Die Telekom erklärte in einer Stellungnahme am Sonntag: "Wir werden in die Modernisierung unserer Service Center investieren. Konkret heißt das: Wir werden kleinere Standorte in größere, wettbewerbsfähige Standorte in Deutschland überführen." Zugleich betonte Konzernsprecher Stephan Broszio: "Bei der Umsetzung des neuen Konzeptes wird jedem Mitarbeiter ein gleichwertiger Arbeitsplatz angeboten. Und: Es findet keine Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland statt."

Vertreter von der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di kritisierten das Vorgehen der Telekom scharf. "Offensichtlich fährt die Telekom weiterhin einen Kurs gegen ihre eigenen Mitarbeiter. Der Vorstand sollte jetzt alle Fakten auf den Tisch legen", sagte Ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder, zugleich Vizeaufsichtsratschef der Telekom, am Sonntag der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX. Er bemängelte, dass die Arbeitnehmervertreter nicht informiert worden seien.

Die Empörung hat ihren Grund, denn Branchenkenner rechnen nach dpa-Informationen mit Stellenstreichungen. Der Umfang könne aber noch nicht abgeschätzt werden. Über Details des Umbaus bei den Callcentern will die Telekom in den nächsten Tagen informieren. Insgesamt beschäftigt die Deutsche Telekom in Deutschland rund 150.000 Mitarbeiter. Der Konzern hatte 2005 angekündigt, innerhalb von drei Jahren insgesamt 32.000 Stellen streichen zu wollen. Zudem beschloss der ehemalige Staatskonzern 2007 die Auslagerung von insgesamt 50.000 Service-Mitarbeitern.

mik/dpa/AFP/dpa-AFX

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