Rote Zahlen Commerzbank streicht Boni und Dividende

Die teilverstaatlichte Commerzbank ist tief in die roten Zahlen gerutscht. Im vergangenen Jahr häufte das Geldhaus einen Vorsteuerverlust von 378 Millionen Euro an. Mitarbeiter und Vorstand müssen auf ihre Boni verzichten, für die Aktionäre gibt es keine Dividende.


Frankfurt am Main - Das Jahr 2008 ist für die Commerzbank Chart zeigen schlecht gelaufen - und 2009 dürfte kaum besser werden. Konzernchef Martin Blessing stellt sich nach eigenen Angaben auf weitere Belastungen ein. 2009 werde nochmals ein schwieriges Jahr, erklärte er laut Unternehmensmitteilung. Die Risikovorsorge für faule Kredite müsse voraussichtlich erhöht werden.

Commerzbank in Frankfurt: 18,2 Milliarden Euro von der öffentlichen Hand
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Commerzbank in Frankfurt: 18,2 Milliarden Euro von der öffentlichen Hand

Im vergangenen Jahr ist die Commerzbank tief in die roten Zahlen gerutscht. Vor Steuern stand ein Verlust von 378 Millionen Euro zu Buche, teilte das Institut am Mittwochmorgen mit. 2007 hatte das Geldhaus noch ein positives Vorsteuerergebnis von 2,5 Milliarden Euro eingefahren. Unter dem Strich schaffte das Institut 2008 nur dank einer Steuerrückerstattung einen Mini-Gewinn von drei Millionen Euro. Belastet wurde das Ergebnis vor allem durch Abschreibungen in Folge der Finanzkrise.

An der Börse herrschte trotz der miesen Zahlen Erleichterung - Händler hatten mit noch schlechteren Ergebnissen gerechnet. Die Commerzbank-Aktie schoss am Mittwochmorgen gut neun Prozent nach oben - bis zum Mittag büßten sie ihre Gewinne allerdings fast vollständig wieder ein.

Die Commerzbank ist nach der Deutschen Bank Chart zeigen die zweitgrößte Bank Deutschlands. Im Zuge der Finanzkrise ist sie teilverstaatlicht worden, gut 25 Prozent der Anteile gehören dem Bund. Insgesamt 18,2 Milliarden Euro hat die öffentliche Hand dem Institut zur Verfügung gestellt.

Wegen des schlechten Ergebnisses zahlt die Commerzbank ihren Mitarbeitern und Vorstandsmitgliedern für das abgelaufene Jahr keinen Bonus. Laut Finanzchef Eric Strutz bekommen die Mitarbeiter nur eine individuelle Anerkennung für geleistete Mehrarbeit. Auch die Aktionäre gehen wie erwartet leer aus. Für das abgelaufene Jahr will das Institut keine Dividende ausschütten.

Strutz bedauerte, dass die Mitarbeiter trotz ihres Einsatzes keine Sondervergütung bekommen. Viele Abteilungen seien profitabel gewesen, viele Mitarbeiter hätten die erwarteten Leistungen erbracht. "Umso bedauerlicher ist es, dass das Ergebnis nicht für Bonuszahlungen ausreicht."

Laut Strutz gilt die Entscheidung für die Commerzbank AG und alle hundertprozentigen Tochtergesellschaften. Das heißt, dass auch die Dresdner Bank betroffen ist, die seit Anfang des Jahres zur Commerzbank gehört. Die Dresdner-Investmentbanker hatten für 2008 vom früheren Dresdner-Mutterkonzern Allianz noch einen Bonus-Topf von 400 Millionen Euro zugesagt bekommen, den die Commerzbank schon vor Wochen in Frage gestellt hatte. Mehrere Dresdner-Banker haben daraufhin gedroht, ihre Ansprüche vor Gericht durchzusetzen.

Für die Zukunft erarbeite die Commerzbank ein neues Anreiz- und Vergütungssystem, erklärte Strutz. Das neue Modell müsse in allen Geschäftsbereichen zur Leistungsfähigkeit passen und zugleich der Nachhaltigkeit gerecht werden.

Für das laufende Geschäftsjahr äußerte sich der Finanzchef skeptisch. "Wir werden weiter konjunkturelle Belastungen sehen." Erst 2010 werde sich die Lage bessern. Wegen der allgemeinen Krise rechnet die Commerzbank mit steigenden Kreditausfällen. Aus diesem Grund will sie ihre Rücklagen weiter erhöhen.

Vor allem in den letzten drei Monaten 2008 geriet die Commerzbank tief in die roten Zahlen. Das Unternehmen wies einen Verlust von 809 Millionen Euro aus, nachdem ein Jahr zuvor noch ein Gewinn von 201 Millionen erwirtschaftet worden war. "Das vierte Quartal war eines der schwersten der Commerzbank", sagte Vorstandssprecher Blessing. Vor allem das Immobiliengeschäft und das Investmentbanking setzten dem Institut zu.

Immerhin: Die Zahl der Privatkunden in Deutschland stieg im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf mehr als sechs Millionen. Die Kundeneinlagen kletterten um 25 Prozent auf 101,1 Milliarden Euro.

wal/Reuters/dpa/AFP/AP

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