Rover-Verkauf Blair ist richtig sauer auf BMW

Der Premierminister ist "not amused". Tony Blair hat der BMW-Führung offiziell seine "beträchtliche Verärgerung" über die Art und Weise übermitteln lassen, mit der der Münchner Konzern den Ausstieg bei Rover betrieben hat.


London - "Der Premierminister vertritt die Ansicht, dass BMW die Pflicht gehabt hätte, die britische Regierung über die künftigen Pläne mit Rover zu informieren", sagte ein Sprecher Blairs. "Während die Regierung für BMW mit der EU-Kommission über die staatliche Hilfe verhandelt hat, hat BMW Verkaufsgespräche geführt. Das ist keine Art, Geschäfte zu machen", fügte er hinzu. Die Regierung sei über die Absichten von BMW völlig im Dunkeln gelassen worden.

"Beträchtliche Verärgerung": Tony Blair
REUTERS

"Beträchtliche Verärgerung": Tony Blair

Der britische Handelsminister Stephen Byers werde in der nächsten Woche nach Deutschland reisen, um Gespräche mit BMW über die Absichten des Autobauers zu führen, erklärte der Sprecher. Noch am Freitag werde der Minister "eine Arbeitsgruppe bilden, die zu Rover gehen und die Situation sondieren soll, um zu sehen, was getan werden kann", sagte der Sprecher weiter.

Blair hatte am späten Donnerstagabend eine Gewerkschaftsdelegation in seinem Amtssitz in der Downing Street empfangen. Den Angaben der Arbeitnehmervertreter zufolge versicherte Blair, er wolle "Himmel und Erde in Bewegung setzen", um sicherzustellen, dass der neue Eigentümer - der Risikokapitalfonds Alchemy - seine Absicht wahr mache, weiterhin Autos zu produzieren.

Alchemy-Chef Jon Moulton machte auch am Freitag in mehreren Radio- und Fernsehinterviews keine genaueren Angaben über das Ausmaß des von ihm bereits grundsätzlich angekündigten Abbaus von Arbeitsplätzen im Rover-Werk in Longbridge bei Birmingham.

Zeitungsverkäufer vor dem bedrohten Rover-Werk Longbridge: "Am Boden, aber nicht geschlagen"
DPA

Zeitungsverkäufer vor dem bedrohten Rover-Werk Longbridge: "Am Boden, aber nicht geschlagen"

Byers teilte mit, er werde noch am Freitag das Werk Longbridge besuchen. Die Gewerkschaften wollten am Freitag bei Betriebsversammlungen über die Möglichkeit eines Streiks diskutieren. In der Nacht hatten wütende Rover-Arbeiter des Lonbridge-Werks das BMW-Emblem vom Haupteingang gerissen.

Am Donnerstagabend war es zunächst mit den Worten "Dolchstoß in den Rücken" (Stabbed in the back) bemalt und später mit Farbe übergossen worden. Am Freitagmorgen war das Firmenschild verschwunden. An seiner Stelle befand sich ein Pappschild mit der Aufschrift: "Am Boden, aber nicht geschlagen" (Down but not beaten).



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