Trotz Sanktionen des Westens Rubelkurs steigt auf Sieben-Jahres-Hoch

Die Strafmaßnahmen schaden der russischen Wirtschaft zwar – doch die Landeswährung ist so stark wie seit Jahren nicht mehr. Der Kreml denkt nun sogar darüber nach gegenzusteuern.
Rubelbanknoten: Warum ist der Rubel so stark?

Rubelbanknoten: Warum ist der Rubel so stark?

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Seit Monaten ist der Rubel auf Erholungskurs, inzwischen ist die russische Landeswährung so stark wie zuletzt vor sieben Jahren. Ein Dollar ist nun 50,01 Rubel wert, ein Euro 52,91 Rubel. Am 7. März, kurz nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, hatte ein Dollar noch 142,64 Rubel gekostet. Angesichts des starken Rubels diskutiert die russische Führung nun sogar Gegenmaßnahmen.

Gerade auf exportorientierte Branchen wirke sich der starke Rubel schon jetzt negativ aus, sagte Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow bei einer Wirtschaftskonferenz in Moskau laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Es sei zu befürchten, dass russische Unternehmen deshalb in Zukunft weniger investierten und produzierten, sagte er. Ein starker Rubel macht russische Produkte für ausländische Kunden teurer.

In der nächsten Woche würden Mechanismen zur Stabilisierung des Kurses geprüft, sagte Finanzminister Anton Siluanow. Russland sei bereit, mit Staatseinnahmen – etwa aus Öl- und Gasgeschäften – auf dem Devisenmarkt einzugreifen, so Siluanow. Auch könne man Devisen befreundeter Länder kaufen. Wirtschaftsminister Reschetnikow hingegen bezweifelte, dass ein Eingriff in den Devisenmarkt das Problem lösen werde.

Auch Russlands Zentralbankchefin Elvira Nabiullina sagte, dass ein künstliches Eingreifen in den Rubelkurs zu einer zu starken Abwertung der eigenen Währung führen könne.

Tatsächlich ist der starke Rubel nicht automatisch ein direktes Zeichen für die Erholung der russischen Wirtschaft. Zwar profitiert Russland von den hohen Öl- und Erdgaspreisen, der Kurs der Währung wurde jedoch auch durch Maßnahmen der Regierung gestützt. Die russische Zentralbank hatte Devisengeschäfte nämlich drastisch eingeschränkt. Privatpersonen wurden daran gehindert, ausländische Währungen abzuheben, und Unternehmen mussten Fremdwährungserlöse zwangsweise gegen Rubel tauschen. Dazu sind die russischen Importe durch die westlichen Sanktionen stark gesunken.

Zu Beginn der Woche war Russland bei der Rückzahlung von Zinsen auf Fremdwährungsanleihen nach einer 30-tägigen Schonfrist in Verzug geraten . Grund dafür ist aber nicht fehlendes Vermögen, der Verzug entsteht durch die scharfen wirtschaftlichen Sanktionen, durch die die Zahlungen Russlands Gläubiger nicht erreichten.

jlk/dpa
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