Rückzug ins Internet "Business Week" stoppt internationale Ausgaben

Der Boom der Internetzeitungen fordert seine nächsten Opfer. Die "Business Week" stellt ihre fünf europäischen und asiatischen Ausgaben ein. Stattdessen will sie eine auf den einzelnen Kunden zugeschnittene Form ihrer Internetausgabe anbieten.


New York - Die Zahl ihrer Internetkunden habe sich in Europa in den letzten Jahren fast verdoppelt, begründete das Magazin den Schritt der "Financial Times" zufolge. Die Entscheidung kommt neun Jahre, nachdem die internationalen Ausgaben auf den Markt gebracht wurden.

Künftig werde weltweit nur noch die US-Ausgabe verkauft, man bemühe sich aber "in Schlüsselmärkten" weiter um Partner vor Ort, damit das Magazin in den Landessprachen erscheinen kann. Mit dem Stopp der internationalen Ausgaben will die "Business Week" offenbar auch Kosten sparen: In den USA musste die Zeitung laut FT beim Anzeigengeschäft im letzten Jahr ein Minus von rund 11,4 Prozent hinnehmen.

Durch den Schritt werden rund 60 Jobs im Vertrieb und in der Produktion wegfallen, sowie "einige redaktionelle Jobs", wie eine Sprecherin des "Business Week"-Eigentümers McGraw Hill sagte.

Die schlimmsten Auflageneinbrüche seit 14 Jahren

Mit dieser Umstrukturierung folgt das Wirtschafts-Magazin dem Trend vieler US-Zeitungen, sich stärker auf ihre Online-Ausgabe zu konzentrieren. Auch der Wirtschaftsverlag Dow Jones dampfte deshalb im Oktober die asiatische und die europäische Ausgabe des "Wall Street Journals" auf Tabloid-Format ein. Der angenehme Nebeneffekt: So können 17 Millionen Dollar jährlich eingespart werden.

Geld, dass das WSJ bitter nötig hat - denn wie alle US-Blätter hat die Zeitung mit drastischen Umsatzeinbußen zu kämpfen. Die Printversionen der US-Zeitungen können dem Druck der Internkonkurrenz kaum noch standhalten. Die große Mehrheit der Amerikaner zwischen 18 und 34 Jahren bezieht Informationen Umfragen zufolge heute lieber online als per Zeitung.

Drastisch sinkende Verkaufszahlen und dramatisch einbrechende Werbeeinnahmen der gedruckten Blätter bestätigen diesen Trend: Allein in den vergangenen sechs Monaten ging die Auflage der US-Blätter im Durchschnitt um 2,6 Prozent zurück - der höchste Verlust seit vierzehn Jahren.



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