Rüstung EADS bemüht sich um Drohnen-Auftrag

Mehr Unabhängigkeit von den USA: Der europäische Rüstungskonzern EADS will eigene unbemannte Aufklärungsflugzeuge entwickeln. Mehrere Staaten sollen mit den Drohnen beliefert werden, darunter auch Deutschland - doch es gibt Vorbehalte gegen den Plan.

Hamburg - Der Luftfahrtkonzern EADS hat Deutschland, Frankreich und Spanien ein Angebot für die Entwicklung und den Bau eines unbemannten Aufklärungsflugzeugs unterbreitet. "Zudem wäre die Türkei bereit, als vierter Partner einzusteigen", sagte EADS-Rüstungsvorstand Stefan Zoller der "Financial Times Deutschland".

US-Drohne Predator: EADS will europäische Variante bauen

US-Drohne Predator: EADS will europäische Variante bauen

Foto: AP

"Es geht um die Weichenstellung, ob die Europäer im Zukunftsmarkt der unbemannten Flugzeuge künftig eine eigenständige Rolle spielen oder auf Modelle aus den USA und Israel angewiesen sind", so Zoller.

Die Entwicklung des zweistrahligen Düsenflugzeugs mit knapp 28 Metern Spannweite würde 1,5 Milliarden Euro kosten. Einschließlich Beschaffung lägen die Kosten bei 2,9 Milliarden Euro.

"Wenn in diesem Jahr noch die Entscheidung fällt, könnte 2013 der Erstflug sein und 2015 oder 2016 die Auslieferung", sagte Zoller. Zugleich gab er zu, dass es wegen zahlreicher Verzögerungen bei anderen EADS-Projekten wie dem Militärtransporter A400M Vorbehalte gegen die Ankündigung gibt. Es dürfe jedoch nicht die Konsequenz sein, "dass bei uns in Europa die Lichter ausgehen", sagte Zoller.

Um das Projekt gibt es dem Bericht zufolge ein heftiges Tauziehen im Hintergrund zwischen den Militärs, der Politik und diversen Industriebündnissen. Die Militärs wollen möglichst schnell, aber auch preiswert moderne Aufklärungsflugzeuge. Sie sollen beispielsweise Soldaten bei den Afghanistan-Einsätzen unterstützen.

Für den kurzfristigen Bedarf gibt es ein Angebot von Rheinmetall gemeinsam mit dem israelischen Hersteller IAI für das sogenannte Heron-Modell. Der deutsche Diehl-Konzern bietet auf der Basis des US-Modells Predator/Reaper eine Alternativlösung an. Zudem macht der immer mächtiger werdende französische EADS-Konkurrent Thales-Dassault ebenfalls auf der Basis des israelischen Heron-Modells ein Angebot.

jar/dpa/ddp
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