Rüstungskonzern Bundesregierung bereitet Einstieg bei EADS vor

Frankreich hat die Mitspracherechte schon, die Bundesregierung will sie jetzt bekommen: Deutschland plant, Aktionär beim Europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS werden - auch, um das deutsch-französische Gleichgewicht zu halten.

Hamburg - Ab Mitte 2010 soll die Aktionärsstruktur bei EADS neu geordnet werden - und Deutschland will gerüstet sein: Der Bund bereite sich darauf vor, zu diesem Zeitpunkt ein 7,5-prozentiges Aktienpaket an der Airbus-Mutter zu übernehmen, das seit dem Frühjahr von einem Investorenkonsortium mit Banken und Bundesländern gehalten wird, schreibt die "Financial Times Deutschland". "Wir treffen alle Vorbereitungen, um das Vorkaufsrecht ausüben zu können. Hierüber gibt es aber noch keine politische Entscheidung", sagte laut Bericht der Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze (CDU).

Das EADS  -Aktienpaket stammt aus dem Besitz von DaimlerChrysler  . Im Frühjahr hatte es der Konzern für 1,5 Milliarden Euro an das Konsortium veräußert, die Stimmrechte jedoch behalten, damit das deutsch-französische Gleichgewicht erhalten bleibt. DaimlerChrysler hält derzeit 22,5 Prozent der Stimmrechte, der französische Lagardere  -Konzern 7,5 Prozent und der französischen Staat 15 Prozent.

Zuvor hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit dem DaimlerChrysler-Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche, Airbus-Investoren und den Ministerpräsidenten jener Länder getroffen, in denen es Airbus-Standorte gibt. Bei der Frage der Übernahme von Airbus-Werken durch Investoren zeichnet sich keine schnelle Lösung ab: "Es ist eher eine Frage von Monaten als von Wochen", sagte Hintze dem Blatt.

Nach Problemen mit dem Großraumflugzeug A380 und dem Langstreckenflieger A350 hatte Airbus das Sparprogramm "Power 8" aufgelegt und will insgesamt 10.000 der europaweit 57.000 Arbeitsplätze streichen - davon 3455 der rund 22.000 deutschen Stellen. Für die Werke im niedersächsischen Varel (1350 Beschäftigte) und im baden-württembergischen Laupheim (1200 Beschäftigte) gibt es zudem Verkaufsabsichten. Für das Werk im niedersächsischen Nordenham (2300 Mitarbeiter) wird ein Partner gesucht. Auch der Standort Augsburg steht möglicherweise zur Disposition.

sam/ddp