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Zweiter Anlauf Rüstungskonzern KNDS verhilft Getriebehersteller Renk an die Börse

Vor Monaten scheiterte der Panzergetriebe-Hersteller Renk beim Gang an die Börse. Nun verhilft Großkunde KNDS der Firma aufs Parkett. Mit viel Eigeninteresse.
Renk-Chefin Susanne Wiegand mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU)

Renk-Chefin Susanne Wiegand mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU)

Foto: Christof Stache / AFP

Der Getriebehersteller Renk, der unter anderem Panzer, Fregatten und Eisbrecher mit seiner Technik ausstattet, holt seinen im Oktober gescheiterten Börsengang mithilfe wichtiger Unterstützer nach. Panzerbauer und Großkunde KNDS soll als Ankeraktionär an Bord kommen. Der Hersteller des »Leopard 2«-Panzers zeichnet bei der Privatplatzierung allein Renk-Aktien für 100 Millionen Euro und hat das Recht, später bis auf 25 Prozent aufzustocken.

Für den Rüstungskonzern KNDS, der 2015 durch den Zusammenschluss des deutschen Militärfahrzeugherstellers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und des staatlichen französischen Verteidigungsunternehmens Nexter Systems entstanden ist, ist der Einstieg bei Renk mehr als nur ein Investment. »Wir wollen dafür sorgen, dass Renk unabhängig bleibt«, begründete ein KNDS-Sprecher das Engagement. »Renk ist einer unserer wichtigsten Zulieferer.« Daher bekommt der Panzerbauer das Recht, einen Vertreter in den Renk-Aufsichtsrat zu schicken und kann die Beteiligung später von 6,7 auf 25 Prozent aufstocken, zu einem Kurs über dem Ausgabepreis.

Insgesamt will der Eigentümer von Renk, der Finanzinvestor Triton, 450 Millionen Euro einnehmen, wie das Unternehmen am Montag in Augsburg mitteilte. Die Aktien werden zum Festpreis von 15 Euro angeboten. Renk wird mit rund 1,5 Milliarden Euro bewertet, 30 Prozent der Papiere kämen in neue Hände. Schon am Mittwoch soll die Aktie zum ersten Mal an der Frankfurter Börse gehandelt werden.

Erster Börsengang des Jahres in Deutschland

Renk stellt unter anderem auch Getriebe für Fahrzeuge und Schiffe her, sowie für Industrieanlagen, wo sie beispielsweise in Wärmepumpen zum Einsatz kommen. Auch Kupplungen, Gleitlager und Prüfsysteme etwa für Turbinengetriebe gehören zum Produktportfolio. Nach eigenen Angaben bedient das Unternehmen sowohl Kunden aus der Rüstungsbranche als auch in zivilen Endmärkten. Angesichts der Aufrüstung erlebt die Firma derzeit eine Sonderkonjunktur. 2022 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von 849 Millionen Euro.

Renk könnte nun den ersten Börsengang dieses Jahres in Deutschland für sich reklamieren – und einen der ersten in Europa. Zuletzt hatten die Investmentbanker wieder Mut geschöpft, dass sich ein Fenster für Neuemissionen öffnen könnte, nachdem Anleger sich seit zwei Jahren bei Börsengängen mit wenigen Ausnahmen zurückgehalten haben. Der Athener Flughafen Athens hatte seine Aktien am Freitag am oberen Ende der Preisspanne untergebracht. In Deutschland schickt sich Insidern zufolge die Kosmetikkette Douglas an, den Weg an die Börse zu gehen. Für die milliardenschwere Erstnotiz nähmen Douglas und der Mehrheitseigentümer CVC den März ins Visier, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen.

Bei Renks Börsendebüt haben institutionelle Investoren zwei Tage Zeit, bis zu 30 Millionen Aktien zu zeichnen. Privatanleger sind, wie bei solchen Blitz-Platzierungen üblich, außen vor. Neben KNDS hat sich auch der US-Vermögensverwalter Wellington Management verpflichtet, Renk-Aktien für 50 Millionen Euro zu kaufen. Ein Drittel der Emission ist damit abgesichert. Bereits nach einer Stunde meldete eine der begleitenden Banken, dass Kaufofferten über mehr als 450 Millionen Euro vorlägen.

kig/Reuters/dpa-AFX