Ruhestand Bundespräsident plädiert für spätere Rente

Bundespräsident Horst Köhler hat sich für ein späteres Renteneintrittsalter ausgesprochen. Zudem sollten die Tarifpartner künftig selbst über bisher gesetzliche Altersgrenzen verhandeln dürfen.


Köln - Die Deutschen hätten allen Grund, über eine Verlängerung des Erwerbslebens nachzudenken, sagte Köhler bei der Eröffnung des 8. Deutschen Seniorentages in Köln: "Noch nie waren die Aussichten so gut wie heute, weit jenseits des offiziellen Renteneintrittsalters gesund zu bleiben und gebraucht zu werden", so der Bundespräsident.

Bundespräsident Köhler: "Ältere bekommen viel zu selten eine neue Chance"
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Bundespräsident Köhler: "Ältere bekommen viel zu selten eine neue Chance"

Köhler appellierte an die Unternehmen, die Stärken älterer Beschäftigten zu erkennen und zu nutzen. Die gestiegene Lebenserwartung bezeichnete er als Chance für den Einzelnen und die gesamte Gesellschaft. "Ich glaube, das Fachwissen, die Erfahrung und die Menschenkenntnis älterer Menschen werden in Zukunft auch betriebswirtschaftlich immer wichtiger", sagte Köhler.

Die Firmen seien schon heute gut beraten, darüber nachzudenken, wie sie die Stärken der älteren Beschäftigten einsetzen könnten. Einige täten das ja auch schon, aber noch immer seien in den meisten Fällen ältere Arbeitnehmer die ersten, von denen sich Unternehmen trennten, wenn sie Personal abbauten, so Köhler. Nach einem Jobverlust bekämen Ältere "viel zu selten eine neue Chance".

Neben der Forderung nach einer späteren Rente stellte Köhler auch grundsätzlich die gesetzlichen Regelungen über das Renteneintrittsalter in Frage. Er wolle eine Diskussion über die Frage anstoßen, ob starre Altersgrenzen überhaupt noch zeitgemäß seien. "Ich würde mir hier möglichst viel Freiheit für jeden Einzelnen und für die Tarifpartner wünschen", sagte Köhler. Jeder Mensch altere "eben anders, und auch jeder Beruf ist anders, und viele Tätigkeiten setzen gerade solche Qualitäten voraus, die erst ältere Menschen ganz entwickelt haben."

Deutschland brauche das Selbstvertrauen und die Kreativität der Senioren sowie ihren Mut zur Tat, sagte der Bundespräsident weiter. "Dann wird es mehr denn je zu einem Land, in dem es sich für alle Generationen gut leben lässt."

ank/AP/AFP


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