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Energie Russen-Plutonium nach Hanau?

aus DER SPIEGEL 5/1995

Russische Energiepolitiker haben mit dem deutschen Elektrokonzern Siemens einen abenteuerlichen Plan entwickelt: Sie wollen in der fast fertigen Mischoxid-Brennelemente-Fabrik in Hanau russisches Waffenplutonium zu Brennelementen für Kernkraftwerke verarbeiten. Präsident Boris Jelzin soll bei Bundeskanzler Helmut Kohl mit dem Argument werben, daß der Bombenstoff auf diese Weise für kriminelle Plutoniumhändler unhantierbar wird. Finanziert werden könnte das Vorhaben durch den Verkauf der Brennelemente an Kraftwerksbetreiber in Südkorea oder Taiwan. Der Deal hätte für alle Seiten Vorteile: Die Russen könnten ernsthaften Abrüstungswillen beweisen, die Deutschen würden helfen, die von dem Waffenplutonium ausgehenden Gefahren zu vermindern. Siemens wiederum könnte seine Hanauer Fabrik nutzen, und die Stromproduzenten müßten nicht weiter eine Investitionsruine finanzieren. Einziger Haken: Die Fabrik hat erhebliche Genehmigungsschwierigkeiten. Selbst wenn in Hessen der Atom-Freund Manfred Kanther die rot-grüne Koalition am 19. Februar besiegen sollte, dürfte es eine Genehmigung nur als Bestandteil eines großen Energiekonsenses mit den Sozialdemokraten geben.

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