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HANDEL Russen-Schiffen droht Beschlagnahmung

aus DER SPIEGEL 12/2001

Mit ungewöhnlichen Methoden will die Handelsfirma Noga Schulden beim russischen Staat eintreiben: Die Schweizer Im- und Exportfirma versucht, drei russische Barken, darunter das größte Segelschiff der Welt ("Sedow"), beschlagnahmen zu lassen und anschließend zu verkaufen. Die Noga hatte Anfang der neunziger Jahre Konsumgüter und Lebensmittel an eine staatliche russische Firma geliefert, doch die Gegenleistung, Öl- und Gaslieferungen, nicht erhalten. Die Handelskammer Stockholm, die Ost-West-Geschäfte verhandelt, bestätigte den Anspruch des Lieferanten. Dessen Pariser Anwalt Antoine Korkmaz sagt: »Wenn die Russen nicht zahlen, müssen wir eben ihre Schiffe festsetzen.« Im vergangenen Jahr ließ die Firma bereits die »Sedow« von französischen Justizbeamten an die Kette legen. Doch das örtliche Gericht erlaubte damals dem Kapitän nach fast zwei Wochen die Weiterfahrt. Wenn die russischen Windjammer, neben der »Sedow« noch die »Mir« und die »Kruzenshtern«, nach der Winterpause jetzt wieder in See stechen, müssen sie erneut mit einer Beschlagnahmung rechnen. Das ruhmlose Ende droht den Stars der russischen Seefahrt jetzt praktisch überall auf der Welt - auch in deutschen Häfen. Dorthin werden die russischen Schiffe traditionell zu den Windjammerparaden eingeladen. Die Betreiber der »Kruzenshtern« verlangen deshalb eine Garantie, dass ihr Schiff nicht festgesetzt wird, wenn es zu den Windjammerparaden nach Hamburg und Kiel kommt. Sonst soll die »Kruzenshtern« erst gar nicht auslaufen. Ihr Anwalt will inzwischen beweisen, dass die »Kruzenshtern« und die »Mir« gar kein Eigentum der Russischen Förderation sind, sondern der Kaliningrader und einer St. Petersburger Marine-Akademie gehören.

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