Russische Duma Chodorkowski kündigt Kandidatur an

Der in Russland inhaftierte Öl-Magnat Michail Chodorkowski provoziert erneut die politischen Autoritäten des Landes: Er hat angekündigt, sich um ein Mandat im Parlament, der Staatsduma, zu bewerben.


Moskau - Auf seiner Internet-Seite kündigte der prominenteste und reichste Häftling der russischen Föderation an, er werde sich bei der für Dezember geplanten Nachwahl zur Duma um ein Abgeordnetenmandat bewerben. "Ich habe mich entschieden, im Universitäts-Wahlbezirk unserer Hauptstadt anzutreten", schrieb er. Er habe Zuspruch von Menschen aus ganz Russland erhalten, die ihn zu der Kandidatur ermuntert hätten. Der frühere Chef des russischen Ölkonzerns Jukos war in einem international umstrittenen Prozess wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu neun Jahren Haft verurteilt worden.

Politischer Protest: Chodorkowski-Anhänger demonstrieren in Moskau - auf dem Plakat rechts steht "Putin tötet unsere Freiheit"
AFP

Politischer Protest: Chodorkowski-Anhänger demonstrieren in Moskau - auf dem Plakat rechts steht "Putin tötet unsere Freiheit"

Chodorkowski kann bei der Wahl allerdings nur dann antreten, wenn sein Einspruch gegen das formal noch nicht rechtskräftige Urteil Erfolg hat. Viele Beobachter rechnen jedoch damit, dass er vor Gericht scheitern wird. Die Berufungsverhandlung beginnt am 14. September.

Kritiker der Moskauer Präsidialadministration sehen Chodorkowski als politischen Gefangenen. Der früher reichste Mann Russlands, so ihr Argument, sei auf Initiative des Kremls inhaftiert und verurteilt worden, nachdem er politische Ambitionen erkennen ließ. Chodorkowski hatte maßgeblich zur Finanzierung der liberaldemokratischen Oppositionspartei Jabloko und russischer Menschenrechtsgruppen wie Memorial beigetragen.

Gegner Chodorkowskis wiederum werfen ihm vor, bei den wilden Privatisierungen in den neunziger Jahren unrechtmäßig immense Reichtümer angehäuft zu haben. Der Ex-Oligarch habe auf Grund seiner Verbindungen zum Lager um Ex-Präsident Boris Jelzin bei manipulierten Auktionen zu Billigpreisen früheres Staatseigentum zugeschanzt bekommen.



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