Russische Energie Soros warnt vor Gasprom, Merkel trifft Putin

Der legendäre Investor George Soros hat den Gasprom-Konzern als korrupt kritisiert und vor einer zu hohen Abhängigkeit Europas von russischen Energielieferungen gewarnt. Bundeskanzlerin Merkel reist unterdessen heute zu einem Treffen mit Präsident Putin - und Gasprom-Vertretern - nach Sibirien.


Hamburg/Moskau - Der russische Erdgasmonopolist Gasprom habe in der Ära des Präsidenten Wladimir Putin ein "Netzwerk undurchsichtiger Unternehmen" aufgebaut, das der persönlichen Bereicherung von Beteiligten und der politischen Erpressung der Nachbarstaaten diene, schreibt Soros in einem Gastbeitrag für die "Financial Times". Er kritisiert, dass Gasprom zu einem machtvollen Instrument großmachtorientierter russischer Außenpolitik geworden sei.

Soros schreibt weiter, Europa sei zur Deckung seines Gasbedarfes von einem Monopolkonzern abhängig geworden, der nicht zögere, seine Macht "in unlauterer und willkürlicher Weise einzusetzen". Die EU-Staaten seien gezwungen, um das Wohlwollen Russlands zu buhlen. Kurzfristig lasse sich diese Situation kaum mehr umkehren, bedauert Soros. Wenn Europa zusammenhalte und Russland zur Ratifizierung der Europäischen Energiecharta dränge, könne das Machtverhältnis aber wieder ausgeglichen werden.

Der Multimilliardär Soros, der vor allem durch Devisenspekulationen bekannt und reich wurde, engagiert sich seit Jahren für Demokratisierung in ehemaligen Staaten der Sowjetunion und unterstützt in Russland Putin-kritische Bürgerrechtsgruppen.

Willkommensposter für Merkel in Sibirien: Neue Partnerverträge mit russischen Konzernen geplant
DPA

Willkommensposter für Merkel in Sibirien: Neue Partnerverträge mit russischen Konzernen geplant

Kanzlerin Merkel reist derweil zu Regierungskonsultationen in die Stadt Tomsk - auch dort wird es um das Thema Energie gehen. Die Kanzlerin Merkel wird neben Russlands Präsident Putin auch Vertreter der Russlanddeutschen treffen. Am Rande der Gespräche ist die Unterzeichnung mehrerer Abkommen geplant, so zwischen der Deutschen Bahn und der russischen Bahn sowie zwischen Gasprom und BASF.

Ein Schwerpunkt der Gespräche in der sibirischen Universitätsstadt ist ferner die Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation sowie der wirtschaftliche Austausch. Merkel wird von einer 20-köpfigen Wirtschaftsdelegation begleitet.

itz/ddp



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