Russische Investoren Gazprom-Manager greifen nach Wadan-Werften

Hoffnung für die insolventen Wadan-Werften: Russische Investoren wollen laut "Ostsee-Zeitung" den Schiffbauer übernehmen. Die Gespräche sollen bereits vorangeschritten sein: Ein Aufsichtsrat des Energieriesen Gazprom und sein Sohn könnten noch in dieser Woche den Kaufvertrag unterschreiben.


Schwerin - Rettung in Sicht für die insolventen Wadan-Werften: Russische Investoren stehen laut "Ostsee-Zeitung" kurz vor dem Kauf des insolventen Unternehmens mit Standorten in Wismar und Rostock-Warnemünde. Als mögliche Käufer gelten demnach der russische Manager Igor Jussufow, der auch im Aufsichtsrat des Energiekonzerns Gazprom sitzt und von 2001 bis 2004 russischer Energieminister war, und dessen Sohn Witalij.

Beschäftigter der Wadan-Werft: Russische Investoren wollen 1600 Stellen erhalten
DPA

Beschäftigter der Wadan-Werft: Russische Investoren wollen 1600 Stellen erhalten

Die Gespräche sollen bereits weit vorangekommen sein, schreibt die Zeitung und beruft sich dabei auf mehrere Mitglieder der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern. Die Verträge könnten noch in dieser Woche unterschrieben werden. Igor und Witalij Jussufow wollen dem Bericht zufolge 40,5 Millionen Euro für die Standorte zahlen.

An diesem Mittwoch soll zu dem möglichen Geschäft ein Gespräch in Berlin stattfinden. Als Teilnehmer wurden Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU) und Vertreter der Insolvenzverwaltung genannt. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll in die Angelegenheit eingebunden sein. Dem Bericht zufolge wird sie den möglichen Verkauf bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew am Freitag im russischen Sotschi erörtern. Am Samstag solle dann die Übernahme erfolgen.

Die Wadan-Insolvenzverwaltung bestätigte "konkrete Gespräche" mit Investoren, wollte aber zunächst keine Namen nennen. "Aufgrund der allseits vereinbarten Vertraulichkeit können wir uns zu Einzelheiten erst dann äußern, wenn ein Vertrag abgeschlossen ist", sagte ein Sprecher von Insolvenzverwalter Marc Odebrecht. Das Vorgehen sei mit Bund und Land abgestimmt. Ein Sprecher der Staatskanzlei in Schwerin bestätigte Gespräche in Berlin, nannte aber keine Namen von Interessenten.

Eine Rettung der Werften durch die russischen Investoren würde allerdings nicht alle Arbeitsplätze sichern. Igor und Witalij Jussufow wollen laut "Ostsee-Zeitung" bis zu 1600 Mitarbeiter übernehmen. Zuletzt waren beim größten Schiffbauer Mecklenburg-Vorpommerns rund 2500 Beschäftigte tätig. Die meisten von ihnen wechselten zum 1. August in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft. Sie erhalten zunächst fünf Monate lang ein Transferkurzarbeitergeld, das zu großen Teilen vom Staat vorfinanziert wird.

Unterdessen regte Niedersachsens Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) an, die Küstenländer und der Bund sollten gemeinsam nach Wegen aus der aktuellen Werften-Krise suchen. "Die Auftragslage muss schnellstmöglich besser werden", sagte Rösler. So könnte die Bundeswehr prüfen, ob sie Bauaufträge für Marineschiffe vorziehe. Niedersachsen vergebe bereits Bürgschaften, um den Bau neuer Schiffe zu unterstützen.

Die Aufträge für Werften sind drastisch eingebrochen. Nach Angaben der niedersächsischen Landesregierung erhielten deutsche Werften in den ersten sieben Monaten des Jahres neun Aufträge für neue Seeschiffe, davon gingen fünf bei Betrieben in Niedersachsen ein. 2008 waren noch 46 Schiffe bei deutschen Werften bestellt worden, 2007 sogar 70.

tko/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.