Russische Schmuggelzigaretten "Jin Ling" erobern deutschen Markt

Der Name klingt chinesisch, hergestellt werden die Zigaretten der Marke "Jin Ling" aber in Russland und in der Ukraine - und sie gelangen immer öfter illegal nach Westeuropa. Nach SPIEGEL-Informationen sollen die Kippen schon auf Platz acht der meistgerauchten Glimmstängel in Deutschland liegen.


Hamburg - Zollbeamte stellen nach SPIEGEL-Informationen vermehrt Zigaretten der Marke "Jin Ling" sicher. Experten gehen davon aus, dass sie mittlerweile auf Platz acht der meistgerauchten Zigaretten in Deutschland stehen.

In Berlin soll die Marke mit dem Widder-Logo sogar schon Nummer zwei sein. Dabei ist diese Zigarette legal in Deutschland gar nicht erhältlich.

Auf den ersten Blick sehen die Packungen aus wie die der Marke "Camel". Die Zigaretten werden in Kaliningrad und der Ukraine für Osteuropa hergestellt, dorthin gelange aber weniger als ein Prozent der Produktion. Der Großteil wird in die EU geschmuggelt, vornehmlich nach Deutschland und Großbritannien, wo bereits erste Fälschungen der "Jin Ling" aus Asien festgestellt wurden. Während der legale Zigarettenabsatz in Deutschland zurückgeht, nimmt der Schmuggel offenbar zu.

Nach Auskunft des Deutschen Zigarettenverbands wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 22,5 Milliarden unversteuerte Zigaretten geraucht, davon rund zwei Drittel Schmuggelware; außerdem 88 Milliarden legale Zigaretten. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut Ipsos, das im Auftrag des Verbands regelmäßig an bundesweit 24 Müllsammelstellen monatlich 12.000 Zigarettenschachteln einsammelt und auswertet.

Seit den Grenzöffnungen in Europa Anfang der neunziger Jahre boomt das Geschäft mit den Zigaretten. "Die Vietnamesen haben damals den Markt übernommen. Sie sahen so etwas wie eine Marktlücke in dem Geschäft", erklärte Andreas Meyer, Pressesprecher der Berliner Finanzdirektion Mitte, im Februar.

Es ist noch immer eine Boombranche. Mehr als 300 Verkaufspunkte gibt es mittlerweile in Berlin. Fast alle davon im Ostteil. "Je ärmer die Stadteile sind, desto größer der Anteil der illegalen Zigaretten", berichtet Kluge.

"In Stadtteilen wie Marzahn oder Hellersdorf schätzt man, dass bis zu 40 Prozent der gerauchten Zigaretten aus dem illegalen Handel stammen."

kaz



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