Russische Wirtschaft Kreml distanziert sich von Jukos-Verstaatlichung

Der Kreml hat zum ersten Mal öffentlich Kritik an dem Vorgehen der russischen Staatsanwaltschaft gegen den Ölkonzern Jukos geübt. Präsident Putins neuer Stabschef Dmitri Medwedew bezeichnete es einen Fehler, dass die Justiz die Mehrheit der Jukos-Aktien beschlagnahmt habe.


Festgenommener Jukos-Chef Michael Chodorkowski: Peinlichst genau untersucht
AP

Festgenommener Jukos-Chef Michael Chodorkowski: Peinlichst genau untersucht

Moskau - Die Beschlagnahmung sei eine "nicht zu Ende gedachte Handlung" gewesen, sagte Medwedew in einem am Sonntagabend ausgestrahlten Interview des russischen Staatsfernsehens. "Diese Aktien gehören Offshore-Unternehmen, die Anspruch auf Schadensersatz erheben. Die juristische Effektivität solcher Sicherungsmaßnahmen ist nicht offensichtlich", sagte der promovierte Jurist.

Der Vertraute Präsident Waldimir Putins hatte in der Vorwoche den als wirtschaftsnah geltenden Alexander Woloschin im Amt des äußerst einflussreichen Kreml-Stabschefs abgelöst. In russischen Wirtschaftskreisen hatte Medwedjews Ernennung zu einer erheblichen Verunsicherung geführt. Möglich ist, dass der neue starke Mann im Kreml mit den Äußerungen die Wogen zu glätten sucht.

Die Vorwürfe der Justiz gegen Jukos und dessen seit Ende Oktober inhaftierten Konzernchef Michail Chodorkowski stellte Medwedjew nicht in Frage. "Wir gehen davon aus, dass diese Dinge peinlichst genau untersucht werden und dass die Entscheidung über eine Schuld der betroffenen Personen nur von einem Gericht in Übereinstimmung mit den russischen Gesetzen getroffen wird", so Medwedjew.

Das Management von Jukos steht im Verdacht, bei Privatisierungsgeschäften in den 90er Jahren den Staat um eine Milliarde Dollar betrogen zu haben. Kritiker unterstellen dem Kreml, das Vorgehen der Justiz gegen den politisch ambitionierten Chodorkowski angeordnet zu haben. Russlands reichster Mann soll sich mit dem Gedanken getragen haben, selbst für das Amt des Präsidenten zu kandidieren.



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