Russischer Manager Wainschtok Pipeline-Zar von Putins Gnaden

Wendig, clever, extrem selbstbewusst: Semjon Wainschtok, Chef des Pipeline-Konzerns Transneft, ist Herr über Russlands gigantisches Netz von Ölleitungen. Indem er dem Westen das Öl abklemmte, hat der Machtmensch eine ernste außenpolitische Krise provoziert.

Von André Ballin, Moskau


Moskau - Kaum hatte der Energie-Streit zwischen Russland und Weißrussland begonnen, war Semjon Wainschtok schon mittendrin. Mit schneidenden Worten geißelte der Chef des staatlichen Pipeline-Betreibers Transneft die Führung des Nachbarstaates. Die Regierung in Minsk habe sich an einer "heiligen Kuh" vergriffen, als sie 79.000 Tonnen Öl aus der Leitung "Druschba" abzapfte, klagte er. Dass sein Unternehmen die Öllieferungen dann kurzerhand ganz einstellte - für Wainschtok eine ganz natürliche Reaktion.

Manager Wainschtok: "Ich bin Soldat"
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Manager Wainschtok: "Ich bin Soldat"

Seit Ende 1999 leitet er den staatlichen Ölpipeline-Monopolisten. Der Konflikt mit Weißrussland um die "Druschba"-Trasse ist für ihn die bislang größte Herausforderung. Falls er sich verspekuliert, ungeschickt verhält, könnte ihn das sein Amt kosten.

Im Gegensatz beispielsweise zu Gasprom-Chef Alexej Miller gilt Wainschtok nicht als enger Vertrauter des Staatspräsidenten Wladimir Putins. Der Transneft-Chef hat sein Amt schon unter Putins Vorgänger Boris Jelzin angetreten. Vor allem die Geheimdienst-Fraktion im Kreml würde ihn, das Relikt einer vergangenen Zeit, lieber heute als morgen herausdrängen und einen eigenen Mann an die Spitze des Staatskonzerns setzen.

Vom Milliardär protegiert

Doch Wainschtok ist wendig, hat auch gelernt, sich durchzusetzen und leidet keineswegs unter mangelndem Selbstbewusstsein. "In der ganzen Zeit meiner Arbeitstätigkeit, und die beträgt immerhin schon über 40 Jahre, ist noch nicht eines meiner Projekte missglückt", sagte er mal in einem Radio-Interview über sich selbst.

1947 wurde Semjon Michailowitsch Wainschtok in der Ortschaft Klimauzy in Moldawien geboren. Nach dem Besuch des Technikums und dem Abschluss eines Bauinstituts machte er seine Aspirantur an der Universität für Öl- und Gasindustrie in Tjumen. Dieser Branche blieb er treu. So war er erst bei der baschkirischen Ölgesellschaft Baschneft aktiv, später dann bei Lukoil, wo er bis zum Vize-Präsidenten aufstieg. In den neunziger Jahren machte er zudem in Deutschland noch einen Kurs an der Deutschen Management-Akademie.

Wainschtoks Beförderung zum Transneft-Chef provozierte 1999 einen Skandal. Sein Vorgänger, der sich nicht so ohne weiteres aus dem Amt drängen lassen wollte, klagte und ein Gericht fror Wainschtoks Vollmachten für zwei Monate ein. Am Ende setzte er sich durch. Gerüchten zufolge sollen Roman Abramowitsch und der inzwischen verstorbene ehemalige Eisenbahnminister Axjonenko ihn protegiert haben.

"Wir haben Europa überfüttert"

Mit der Ernennung wurde Wainschtok zu einem der mächtigsten Männer Russlands. Transneft verfügt über das weltweit größte Pipelinesystem mit einer Gesamtlänge von knapp 50.000 Kilometern. Alle großen Ölunternehmen müssen mit Transneft verhandeln, um den kostbaren Rohstoff exportieren zu dürfen. Als der Jukos-Konzern 2003 plante, auf eigene Faust und Rechnung eine Trasse nach China zu verlegen, kam es zum Konflikt. Er dürfte einer der Gründe für den anschließenden Fall des Jukos-Chefs Michail Chodorkowskis gewesen sein.

Die Idee, den Ölexport gen Osten - notfalls auch zu Lasten des Westens - zu forcieren, begrüßte Wainschtok dagegen. Sie passt voll ins Konzept des Konzerns. "Wir haben Europa mit Öl überfüttert. Jedes Wirtschaftshandbuch wird Ihnen sagen, dass bei einem Überangebot der Preis fällt. Sobald wir uns China, Südkorea, Australien und Japan zuwenden, wird dies einen Teil des Öls von unseren europäischen Partnern abziehen", sagte der Pipeline-Boss schon im vergangenen Jahr.

Das Projekt einer eigenen Leitung nach China wurde mit Hochdruck vorangetrieben. Umweltgesichtspunkte spielen nur eine untergeordnete Rolle. Die von Wainschtok genehmigten Pläne sahen sogar eine Trassenführung direkt am Ufer des Baikalsees vor. Der Transneft-Chef tat alles, um protestierende Ökologen zum Schweigen zu bringen. Umweltgutachten wurden zurechtgebogen, um eine Baugenehmigung zu erwirken. Demonstrationen vor der Transneft-Zentrale in Moskau waren schnell aufgelöst. Die Teilnehmer wurden verhaftet, um unliebsame Publicity zu vermeiden.

Am Ende nutzte es nichts: Präsident Putin selbst befahl überraschend in letzter Sekunde einen Kurswechsel für die Pipeline. Der Baikalsee, für viele Russen ein Heiligtum, soll nun weiträumig umgangen werden. "Ich bin Soldat, der Präsident ist der Oberkommandierende. Befehle werden nicht diskutiert", kommentierte Wainschtok, der sich Putin gegenüber stets loyal gibt.

Auch im Konflikt mit Minsk wird am Ende der Oberkommandierende eingreifen und sein Urteil fällen. Momentan sieht es nicht so aus, als wolle Putin gegenüber Weißrusslands Präsidenten Alexander Lukaschenko einlenken.

Sein Soldat wird den Konflikt weiter führen.

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