Russischer Medienbericht Gazprom arbeitet offenbar an Lieferstopp-Optionen

Die EU trifft Vorkehrungen für den Fall einer Eskalation des Gaskonflikts mit dem Kreml – und die russische Seite tut es auch: Laut der Wirtschaftszeitung »Kommersant« arbeitet Gazprom an Szenarien für einen Lieferstopp.
Gasleitung von Gazprom in Sibiren

Gasleitung von Gazprom in Sibiren

Foto: MAXIM SHEMETOV / REUTERS

Der Moskauer »Kommersant« meldet Vorbereitungen von Gazprom für einen möglichen Gaslieferstopp. Unter der Überschrift »Abgetrennte Rohrleitungen« berichtet die auf Wirtschaftsnachrichten spezialisierte Tageszeitung, der russische Gasriese erarbeite »tatsächlich die Möglichkeit, die Gaslieferungen an ›unfreundliche Länder‹ vollständig einzustellen« und bewerte die Folgen eines solchen Schrittes. Als Quelle nennt das Blatt einen namentlich nicht näher bestimmten Insider.

Der russische Konzern selbst habe die Informationen nicht bestätigt und einen Kommentar abgelehnt, schreibt der »Kommersant« (hier geht's zum russischen Bericht ). Unklar bleibt auch, wie konkret die Vorbereitungen für einen Lieferstopp tatsächlich sind. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte die Gazprom und die russische Zentralbank vor einer Woche aufgefordert, alle Vorbereitungen für eine Umstellung der Gasverkäufe an die EU auf Rubel zu treffen.

Lang gehegter Wunsch des Kremls

Darauf wollen sich die europäischen Gaskunden allerdings nicht einlassen. Zum einen, weil es einen Bruch der bislang auf Dollar und Euro lautenden Lieferverträge darstellen würde, zum anderen, weil der Westen mit Rubelzahlungen im Kern seine eigenen Sanktionen unterlaufen müsste. Im Raum stand wegen des Konflikts auch ein abrupter Lieferstopp Anfang April.

In der Frage kamen zuletzt allerdings gemischte Signale aus Moskau. So kündigte Putins Pressesprecher Dmitrij Peskow am Mittwoch an, doch nicht sofort auf die Umstellung auf Rubelzahlungen zu bestehen. Zahlung und Lieferung seien zeitaufwendige Prozesse, erklärte er. Fast gleichzeitig wurden aus Moskau aber auch Forderungen laut, in Zukunft die Bezahlung praktisch aller russischen Exportgüter auf Rubel umzustellen.

Wjatscheslaw Wolodin, Vorsitzender des russischen Parlaments und Putin-treuer Hardliner, kündigte an, in Zukunft auch Getreide, Öl, Kohle und Holz nur noch gegen Rubelzahlungen zu liefern. Die Abkehr von Euro und Dollar ist ein seit langem gehegter Traum der russischen Führung. Putin hat in den vergangenen Jahren immer wieder Vorstöße in diese Richtung unternommen, bislang allerdings ohne großen Erfolg.

beb
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