Russisches Ölfeld Gasprom verdrängt ausländische Investoren

Im Ringen um die Aufteilung des gigantischen Gas- und Ölförderprojekts Sachalin II hat sich die russische Seite durchgesetzt: Gasprom übernimmt die Führung vom niederländisch-britischen Konzern Shell und erhält für 5,6 Milliarden Euro die Hälfte der Anteile.


London/Moskau - Der staatlich kontrollierte russische Energieriese Gasprom steigt mit einem hauchdünnen Mehrheitsanteil von 50 Prozent plus einer Aktie in das Projekt ein, das bislang allein von ausländischen Unternehmen geführt wurde, wie der britisch-niederländische Shell-Konzern in London mitteilte. Shell Chart zeigen tritt dafür seine bisherige Leitrolle in dem Konsortium ab. Der russische Präsident Wladimir Putin zeigte sich "zufrieden" mit der unterzeichneten Vereinbarung.

Pipeline im Sachalin-II-Ölfeld: Staatspräsident Putin ist "glücklich"
REUTERS

Pipeline im Sachalin-II-Ölfeld: Staatspräsident Putin ist "glücklich"

Über den Einstieg von Gasprom Chart zeigen war wochenlang unter massivem Druck der russischen Behörden verhandelt worden. Dabei drohte die russische Seite mit dem Entzug der in den 90er Jahren erteilten Lizenz für das Projekt. Die offizielle Begründung war, dass sich Shell und seine japanischen Partner nicht an Umweltauflagen hielten. Putin zeigte sich in seiner Reaktion auf die Einigung denn auch "glücklich" darüber, dass die "ökologischen" Anliegen Russlands berücksichtigt würden. Nach Ansicht von politischen Beobachtern missfiel es der russischen Regierung aber vor allem, dass das größte Rohstoff-Projekt des Landes in den Händen ausländischer Konzerne war.

Die Vereinbarung sieht vor, dass Gasprom für seinen Einstieg als Mehrheitsaktionär 7,45 Milliarden Dollar (5,66 Milliarden Euro) zahlt. Shell schraubt dafür seinen Anteil von bislang 55 Prozent um die Hälfte auf 27,5 Prozent herunter. Auch die beiden beteiligten japanischen Unternehmen reduzieren ihre Beteiligungen um jeweils die Hälfte: Mitsui Chart zeigen auf 12,5 Prozent, Mitsubishi Chart zeigen auf zehn Prozent. Das in dem Projekt rund um die sibirische Insel Sachalin geförderte Gas soll vor allem nach Asien exportiert werden.

Sachalin II ist mit einem Investitionsvolumen von 20 Milliarden Dollar das weltweit größte private Öl- und Gasförderprojekt. In seinem Rahmen soll vor der Insel Sachalin eine Förderinsel sowie eine Gas-Verflüssigungsanlage gebaut werden. Ab 2008 soll von dort erstmals Flüssiggas nach Japan und Korea geliefert werden.

tim/AFP/dpa

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