Russland-Geschäft Ex-Manager wirft Siemens Korruption vor

Ein Ex-Vertriebsleiter des Siemens-Konzerns hat schwere Korruptionsvorwürfe gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber erhoben. Nach Darstellung von Sam Tsekhman soll das Unternehmen jahrelang russische Beamte bestochen haben.


Hamburg - Tsekhman gab in einer eidesstattlichen Erklärung an, dass Siemens-Manager ihm als Mitverantwortlichem für das Russland-Geschäft von Siemens-Medizintechnik regelmäßig hohe Summen in bar für Bestechungszwecke in einem Wiener Hotel überreicht hätten. Das berichtet der "Stern" in seiner morgigen Ausgabe.

Das Geld, in Einzelfällen bis zu einer Million Dollar, sollte laut Tsekhman zur Bezahlung russischer Amtsträger dienen. Die Praxis habe bis in das Jahr 2000 fortgedauert. Seit Februar 1999 ist in Deutschland die Bestechung ausländischer Amtsträger strafbar.

Bis April 2000 hatten laut Tsekhman Siemens-Mitarbeiter mit russischen Stellen über Schmiergeldzahlungen verhandelt, die Siemens helfen sollten, einen mit 28,2 Millionen Euro dotierten Vertrag mit dem Moskauer Burdenko-Institut zu erlangen. Insgesamt seien für dieses Projekt Bestechungsgelder in Höhe von sieben Millionen Euro eingeplant gewesen.

Nach Tsekhmans Angaben informierte er selbst im Jahr 2003 telefonisch und per Brief den damaligen Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer über den Burdenko-Fall. In dem Brief, der dem "Stern" vorliegt, erwähnte Tsekhman die "Belohnung", die im Namen von Siemens verschiedenen Personen in Russland versprochen worden sein.

Eine Siemens-Sprecherin erklärte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, im Anschluss an Tsekhmans Brief an von Pierer sei unverzüglich eine interne Untersuchung eingeleitet worden. Weitere Details zu den Bestechungsvorwürfen wollte die Sprecherin nicht nennen.



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