Sorgen vor weiteren Sanktionen »Niemand will russisches Öl kaufen, verschiffen oder lagern«

Am Ölmarkt handelt die Sorge um die Lage in Osteuropa derzeit mit: Viele Händler wollen es nicht riskieren, russisches Öl zu kaufen. Das könnte die Preise weiter steigen lassen.
Ein Ölfeld im sibirischen Karsnojarsk: Der Preis für russisches Öl bricht ein

Ein Ölfeld im sibirischen Karsnojarsk: Der Preis für russisches Öl bricht ein

Foto:

Sergei Karpukhin / REUTERS

Der Verkauf von Öl und Gas ist eine existenzielle Stütze der russischen Wirtschaft. Umso besorgniserregender für Moskau dürften Berichte vom Ölmarkt sein. Denn obwohl der Wirtschaftszweig nicht von den Sanktionen im Zuge des russischen Kriegs gegen die Ukraine betroffen ist, macht sich große Unsicherheit im ohnehin schon angespannten Ölmarkt breit.

»Die Leute fassen russische Barrel nicht an«, sagte ein Händler am Hafen von New York der Nachrichtenagentur Reuters. Was noch verschifft werde, sei vor dem russischen Vorstoß in die Ukraine gekauft worden. »Danach kommt nicht mehr viel. Niemand möchte dabei gesehen werden, wie er russische Produkte kauft und einen Krieg gegen das ukrainische Volk finanziert «, sagte er.

Die Präsidentin der Analystenfirma ESAI Energy, Sarah Emerson, zeigte sich wenig überrascht von der Zurückhaltung am Markt. Sie verwies auf die Unsicherheit bezüglich der Sanktionen gegen Banken sowie andere Maßnahmen, die entsprechende Geschäfte erschweren. Nach ersten ESAI-Schätzungen sind etwa zehn Prozent der russischen Ölexporte betroffen.

Auch ein Bericht des »Wall Street Journal«  zeigt große Sorgen der Händler auf. Demnach fürchte der Markt, dass der Westen seine Maßnahmen gegen Russland im Falle einer weiteren Eskalation in der Ukraine auf die Ölexporte ausweiten könnte.

Während der Ölpreis für die Nordseesorte Brent, der weltweit wichtigsten Referenzsorte, am Dienstag bis auf 105 Dollar anstieg, fiel die russische Sorte Urals immer tiefer und war 18 Dollar weniger wert – ein Rekord in der postsowjetischen Ära. Und selbst zu diesem Preis konnten keine Käufer gefunden werden.

»Niemand will russisches Öl kaufen, verschiffen oder lagern«, sagte ein Händler.

Fast niemand müsste es heißen. Denn Experten erwarten nun, dass Russland seine Lieferungen an China ausweitet. Der russische Pipelinegigant Transneft plant laut der Nachrichtenagentur Tass, die Lieferungen nach China über die Ostsibirien-Pazifik-Pipeline von 2,22 Millionen Tonnen im Februar auf 2,48 Millionen Tonnen zu erhöhen.

Zweitgrößter Ölexporteur der Welt

Nach Saudi-Arabien ist Russland der zweitgrößte Ölexporteur auf der Welt und liefert täglich vier bis fünf Millionen Barrel Rohöl sowie zwei bis drei Millionen Barrel Raffinerieprodukte. Weil die Nachfrage ohnehin bereits über das Vor-Pandemie-Niveau hinausging und Produzenten Mühe hatten, die Nachfrage zu bedienen, befürchten Marktteilnehmer nun, dass die Preise weiter steigen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Russlands Stellung am Energiemarkt mache es auch unwahrscheinlich, dass der russische Export ganz zum Erliegen kommen werde, sagte Emerson von der Analystenfirma ESAI Energy. »Die großen Akteure können aus dem Markt aussteigen, aber es gibt da draußen nicht genug Öl, dass alle aussteigen können«, sagte sie.

hba/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.