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Sanktionen gegen Russland Bundesregierung könnte Vermögen in Höhe von 25 Milliarden Euro blockieren

Unternehmen, Wertpapiere, Bankguthaben: Russische Investoren halten in Deutschland nach SPIEGEL-Informationen erhebliche Vermögenswerte – über die sie womöglich bald die Kontrolle verlieren.
aus DER SPIEGEL 9/2022
Schalke-Sponsor Gazprom (Archivbild): Einer der größten russischen Investoren in Deutschland

Schalke-Sponsor Gazprom (Archivbild): Einer der größten russischen Investoren in Deutschland

Foto: Jack Jacobs / IMAGO

Im Rahmen der wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland will die Bundesregierung in erheblichem Umfang auch gegen russische Investoren vorgehen. Nach Angaben offizieller deutscher Stellen halten russische Staatsbürger in Deutschland Vermögenswerte im Umfang von rund 25 Milliarden Euro, die eingefroren werden könnten. Darunter fallen nach Informationen des SPIEGEL Firmenbeteiligungen, Wertpapiere und Bankguthaben.

Allein 2019 tätigten russische Firmen und Privatleute Direktinvestitionen von 8,9 Milliarden Euro in Deutschland. Einer der bekanntesten russischen Investoren ist Gazprom, der über eine Tochtergesellschaft in Berlin Anteile an deutschen Gasnetzbetreibern hält und bis Donnerstag als Sponsor auf den Trikots des Fußballklubs Schalke 04 zu sehen war.

Russisches Schwarzgeld treibt den Immobilienboom

Die tatsächlichen Vermögen von Russen hierzulande dürften aber viel höher ausfallen. Der Grund: Der Immobilienbesitz russischer Staatsbürger blieb bei der Erhebung unberücksichtigt. Tatsächlich kauften Russen in deutschen Metropolen zuletzt Häuser und Wohnungen im großen Stil auf. Fachleute führten den Immobilienboom der vergangenen Jahre nicht zuletzt darauf zurück, dass auf diesem Weg Flucht- und Schwarzgeld in Deutschland angelegt wurde.

Bei den neuen wirtschaftlichen Maßnahmen gegen russische Einrichtungen bleibt die dortige Zentralbank offenbar verschont. Sie taucht nach Informationen des SPIEGEL auf keiner Sanktionsliste des Westens auf. Die Notenbank nimmt eine Schlüsselstellung ein bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs innerhalb des Landes, aber auch bei Überweisungen ins Ausland und vom Ausland nach Russland. Zudem verfügt die russische Zentralbank über Konten bei ausländischen Zentralbanken wie der EZB oder der Bundesbank, aber auch bei großen Privatbanken. Von diesen Guthaben kann sie weiter ungestört Überweisungen vornehmen.

Ohnehin erscheinen die beschlossenen Sanktionslisten sehr löcherig. So dürften Tochtergesellschaften russischer Banken in Deutschland weiter ihren Geschäften nachgehen, obwohl ihre Muttergesellschaften bei internationalen Aktivitäten Einschränkungen unterliegen. Regierungskreise in Berlin verweisen darauf, dass sich der Westen noch Möglichkeiten zur Eskalation offen halten will. Verschärfte Sanktionen könnten bei Zuspitzung der Krise folgen.

Aus: DER SPIEGEL 9/2022

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