Kremlchef über westliche Sanktionen Putin gesteht »kolossal viele Schwierigkeiten« ein

Eigentlich wollte er Stärke demonstrieren – aber jüngste Äußerungen Wladimir Putins lassen vermuten, wie tief die Sanktionen Russland treffen. Vor allem der träge Aufbau der Digitalwirtschaft bereitet offenbar Probleme.
Russlands Machthaber Wladimir Putin (Archivbild): »Wir werden nach neuen Lösungen suchen«

Russlands Machthaber Wladimir Putin (Archivbild): »Wir werden nach neuen Lösungen suchen«

Foto: Alexei Nikolsky / ITAR-TASS / IMAGO

Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Sanktionen gegen sein Land als große Herausforderung bezeichnet, sich in der typischen Kremlrhetorik aber gleichzeitig kämpferisch und siegesgewiss gegeben.

»Es ist klar, dass dies eine große Herausforderung für unser Land ist, aber wir werden nicht aufgeben«, sagte Putin am Montag laut der Agentur Interfax. »Während wir die kolossale Menge an Schwierigkeiten anerkennen, die vor uns stehen, werden wir intensiv und kompetent nach neuen Lösungen suchen.« Es sei nicht möglich, Russland mit einem »riesigen Zaun« vom Rest der Welt zu isolieren.

Zugleich übte Putin Kritik an den westlichen Technologiesanktionen. »Die fast vollständige Sperrung des Zugangs zu ausländischen Hightech-Produkten wird absichtlich gegen unser Land eingesetzt«, sagte er am Montag.

Moskau betont immer wieder, die weitreichenden Strafmaßnahmen, die der Westen als Reaktion auf den Angriffskrieg gegen die Ukraine verhängt hat, gut zu überstehen und sogar gestärkt aus ihnen hervorzugehen. Zugleich wirken sich die Sanktionen bereits jetzt auf die russische Luftfahrt und die Autobranche aus.

Man kann Putins Äußerungen auch als Versuch sehen, neue Partnerschaften zu erschließen: Seine Äußerungen kommen kurz vor einer geplanten Iranreise  am Dienstag. Der Kreml hatte im Vorfeld dementiert, dass Putin dort über den möglichen Erwerb iranischer Drohnen sprechen wolle. Die USA hatten erklärt, ihnen lägen Hinweise vor, dass Iran Russland bei den Kämpfen gegen die Ukraine unterstützen wolle. Demnach bereite sich die iranische Regierung darauf vor, mehrere Hundert Drohnen bereitzustellen – darunter auch solche, die Waffen transportieren können.

Iran wies die US-Darstellung zurück. Es gebe zwischen Russland und Iran zwar eine Zusammenarbeit auf technologischer Ebene, hieß es aus Teheran. Diese habe aber schon lange vor dem Ukrainekrieg begonnen.

Kremlchef geht Aufbau der digitalen Wirtschaft zu langsam

Putin kritisierte am Montag die Rüstungsholding Rostech um seinen langjährigen Vertrauten Sergej Tschemesow für das fehlende Tempo beim Aufbau der digitalen Wirtschaft.

»Bescheiden« seien die Resultate auf den Gebieten, für die Rostech verantwortlich sei, sagte er während einer im Fernsehen übertragenen Regierungssitzung. So seien unter anderem die Entwicklung des Internets der fünften Generation und der Mikroelektronik fehlgeschlagen. Putin forderte von der Regierung nun, für die Entwicklung von Schlüsseltechnologien jeweils einen Vizeregierungschef abzustellen, der die Branche kontrolliert.

Die Opposition beklagt seit Jahren starke Korruption in staatlichen Unternehmen Russlands. Putin hat in der Vergangenheit allerdings konkrete Kritik an Konzernen, die seinen persönlichen Vertrauten unterstellt sind, vermieden.

Putin und Tschemesow kennen sich aus gemeinsamen Agententagen in der DDR. Seit 2007 leitet Tschemesow Rostech und ist damit auch für die Produktion neuer Waffen verantwortlich. Diese wurden Experten zufolge im Ukrainekrieg bisher in weitaus geringerem Maße eingesetzt, als vorher erwartet wurde.

sol/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.