Angeblicher Ersatzteilmangel Russland stellt geringere Getreideexporte in Aussicht

Reduzierte russische Gaslieferungen wegen einer angeblich fehlenden Turbine halten Europa seit Wochen in Atem. Nun droht Moskau mit geringeren Getreideexporten – und begründet auch dies mit Teilemangel.
Getreideernte nahe Krasnojarsk, Russland (2015): Agrarministerium spricht von »Risiken« bei der Getreideernte

Getreideernte nahe Krasnojarsk, Russland (2015): Agrarministerium spricht von »Risiken« bei der Getreideernte

Foto: Ilya Naymushin / REUTERS

Seit geraumer Zeit hat Russland die Gaslieferungen reduziert, die über die Pipeline Nord Stream 1 in Deutschland ankommen. Russlands Begründung dafür war das Fehlen einer Turbine, die in Kanada gewartet wurde. Diese hängt mittlerweile in Mülheim an der Ruhr fest  und kann, so behauptet der Gazprom-Konzern, wegen fehlender Dokumente nicht weitertransportiert werden – offensichtlich ein vorgeschobener Grund.

Nun stellt Russland mit einer ähnlichen Begründung auch eine Drosselung seiner Getreideexporte in Aussicht. In einer Mitteilung des russischen Agrarministeriums heißt es, das Land werde seine angepeilte Erntemenge beim Getreide voraussichtlich nicht erreichen können. Verantwortlich dafür sei einerseits das Wetter und andererseits ein Mangel an Ersatzteilen für die ausländische Ausrüstung.

»Dies zusammengenommen birgt Risiken im Hinblick auf das Erreichen der Erntemenge von 130 Millionen Tonnen«, teilte das Ministerium mit. Sollte das Ziel nicht erreicht werden, müssten die Exportpläne von 50 Millionen Tonnen überdacht werden.

Getreidedeal mit der Ukraine läuft gerade an

Die Ankündigung fällt in eine Zeit, in der eine drohende weltweite Nahrungsmittelkrise abgewendet oder zumindest gelindert schien: Nach dem unter türkischer Mithilfe vermittelten Getreidedeal zwischen Russland und der Ukraine haben sich gerade die ersten Schiffe mit Getreide auf den Weg gemacht. Dieses hatte wegen der russischen Blockade ukrainischer Häfen bislang in dem Land festgehangen.

Infolge der westlichen Sanktionen ist es in Teilen der russischen Wirtschaft tatsächlich zu erheblichen Teilemängeln gekommen. Hart getroffen wurde unter anderem die russische Luftfahrtbranche, weil Airbus und Boeing die Lieferung von Ersatzteilen einstellten und Unternehmen wie Lufthansa Technik die Wartung der Maschinen in Russland aussetzen.

sol/Reuters
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