Europas Energiekrise Gazprom drosselt Lieferungen nach Italien

Nicht nur Deutschland bekommt ab sofort weniger Gas aus Russland, auch Italien erhält ein Drittel weniger des Energieträgers. Experten warnen vor einer Rezession, sollten die Gasflüsse sich nicht wieder normalisieren.
Logo des italienischen Energiekonzerns Eni in Rom

Logo des italienischen Energiekonzerns Eni in Rom

Foto: Alessandro Bianchi / REUTERS

Nicht nur deutsche Verbraucher blicken mit Sorge auf das Lieferverhalten von Gazprom, auch in Italien steigt die Nervosität. Der russische Gaskonzern hat seine Lieferungen nach Italien weiter reduziert. Die Menge sei um rund ein Drittel gefallen, teilte der italienische Energieversorger Eni am Montag mit. Italien erhält einen kleinen Teil des Erdgases aus Russland über die Pipeline Nord Stream 1, die am Montagmorgen wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet wurde. Der größte Teil der russischen Lieferungen kommt aber über die Ukraine nach Italien.

Eni erklärte am Montag, in den vergangenen Tagen seien im Schnitt 32 Millionen Kubikmeter Gas täglich von Gazprom geliefert worden. Am Montag ging die Menge auf 21 Millionen Kubikmeter zurück. Gazprom hatte seine Lieferungen nach Italien, Österreich und Frankreich Mitte Juni reduziert. Nach Italien wurden zunächst noch 65 Prozent der angeforderten Menge geliefert. Gazprom verwies damals auf Probleme an der Nord-Stream-Verdichterstation Portovaya.

Vollständiger Lieferstopp könnte zu heftigen Verwerfungen führen

Ökonomen erwarten mittelfristig einen Konjunktureinbruch, sollte die Gaspipeline Nord Stream 1 nach den nun begonnenen Wartungsarbeiten nicht wieder am 21. Juli ihren Betrieb aufnehmen. »Es wird befürchtet, dass die russische Seite das Gas als strategische Waffe benutzt«, sagte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank am Montag. »Die Augen der Welt werden am 21. Juli auf den Pipeline-Knotenpunkt in Lubmin gerichtet sein.« Bliebe das Gas aus, würde zwar nicht sofort der Gasnotstand herrschen, doch eine weitere Befüllung der Gasspeicher für den Winter wäre schwierig und spätestens 2023 müsste das Gas dann rationiert werden. »Es käme damit erneut zu Lockdowns der Wirtschaft«, sagt Gitzel. »Die deutsche und die europäische Wirtschaft würden in eine tiefe Rezession abrutschen.«

Dies sei zwar ein Worst-Case-Szenario, zeige aber, »wie entscheidend der 21. Juli in diesem Sommer werden wird«, betonte Gitzel. Sollte der Gashahn auch danach geschlossen bleiben, müsste Deutschland wohl in absehbarer Zeit die dritte Stufe des Gasnotfallplans ausrufen, warnte auch Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner.

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»Schließlich würde es dann kaum mehr ohne staatlich verordnete Rationierungen ausgehen – es drohen damit erhebliche wirtschaftliche Schäden.« Viele Firmen müssten dann ihre Produktion herunterfahren und die noch belieferten Abnehmer sähen sich wohl wie die privaten Haushalte mit sprunghaft steigenden Preisen konfrontiert.

beb/afp
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