Handelsflotte im Kriegsgebiet Reederverband fordert freies Geleit für mehr als 60 Schiffe in der Ukraine

Weil Minen oder Beschuss drohen, stecken noch immer Handelsschiffe in ukrainischen Häfen fest. Der Verband Deutscher Reeder fordert nun, vorgeschlagene »blaue« Korridore für die Schiffe zu schaffen.
Der Hafen von Odessa am Schwarzen Meer (Symbolbild aus dem Jahr 2016)

Der Hafen von Odessa am Schwarzen Meer (Symbolbild aus dem Jahr 2016)

Foto: Valentyn Ogirenko / REUTERS

Fünf Wochen nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine sitzen nach Schätzung des Verbandes Deutscher Reeder (VDR) noch immer mindestens 60 Schiffe der internationalen Handelsflotte in Häfen an der ukrainischen Küste fest. Darunter seien auch mehrere Schiffe deutscher Reedereien, teilte der VDR in Hamburg mit.

Weil die Versorgung der Besatzungen mit Lebensmitteln zunehmend schwieriger werde, forderte der VDR, »dass diese Schiffe die Häfen so schnell wie möglich ohne Gefahr eines Angriffs verlassen dürfen«, wie Verbandspräsidentin Gaby Bornheim sagte. »Die Schiffe müssen freies Geleit bekommen, damit sie mit ihren Crews unbeschadet aus der Kriegszone fahren können.«

Der Verband forderte vor allem Russland dazu auf, die von der Weltschifffahrtsorganisation IMO vorgeschlagenen »blauen« Seekorridore zu ermöglichen. »Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass – neben der ukrainischen Bevölkerung – mehr als 1000 Seeleute an Bord von Handelsschiffen in der Kriegsregion um ihr Leben fürchten müssen«, sagte Bornheim.

Das Asowsche und das Schwarze Meer sind mit ihren Hafenstädten wichtige Transportwege für ukrainische Wirtschaftsgüter. Daher kommt Odessa und dem seit Wochen belagerten Mariupol  eine wichtige strategische Bedeutung im russischen Angriffskrieg zu. In Odessa betreibt der Hamburger Konzern HHLA nach eigenen Angaben  das größte Containerterminal der Ukraine.

Handelsschiffen drohen Gefahren durch Minen und Beschuss

Bei einer Ausfahrt der in ukrainischen Häfen festliegenden Handelsschiffe drohen laut VDR »aktuell erhebliche Gefahren, etwa durch Minen und möglichen Beschuss durch vor der ukrainischen Küste liegende Kriegsschiffe«. »Schiffe und ihre Crews dürfen nicht zum Faustpfand in diesem Angriffskrieg werden«, sagte Bornheim.

Die Weltschifffahrtsorganisation IMO hatte bereits vor knapp drei Wochen sogenannte blaue Korridore gefordert, damit Handelsschiffe und ihre Besatzungen das Kriegsgebiet verlassen können. IMO-Generalsekretär Kitack Lim habe sich verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um den Korridor in Zusammenarbeit mit den betroffenen Parteien zu verwirklichen, hieß es.

Die IMO mit Sitz in London ist eine Sonderorganisation der Uno. Im Rat der IMO sind 40 der 174 IMO-Mitgliedsländer vertreten, darunter auch Russland und China sowie Deutschland und andere bedeutende Schifffahrtsnationen.

hba/dpa
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