Konflikt um AKW-Baustelle Putin und Erdoğan legen Atom-Zwist bei

Wer darf das Atomkraftwerk Akkuyu in der Türkei bauen? Über Wochen stritt eine türkische Baufirma mit dem russischen Rosatom-Konzern. Nun wurde der Streit offenbar beigelegt – bei einem Gespräch von Putin und Erdoğan.
Haben ein nicht restlos konfliktfreies Verhältnis: Die Staatschefs Erdoğan und Putin

Haben ein nicht restlos konfliktfreies Verhältnis: Die Staatschefs Erdoğan und Putin

Foto: Alexandr Demyanchuk / Sputnik / Kremlin / EPA

Russlands Präsident Wladimir Putin und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan haben den schwelenden Konflikt um den Milliardenbau des Atomkraftwerks Akkuyu offenbar entschärft. Eine Übereinkunft sei getroffen worden, sagt Erdoğan am Rande des Treffens der SCO, eines von China und Russland geführten Sicherheitsbündnisses. Bei Akkuyu handelt es sich um ein Kernkraftwerk, das derzeit an der türkischen Mittelmeerküste errichtet wird. Federführend dabei ist das Unternehmen Rosatom, eine russische Staatsfirma. Der Auftragswert des Projekts: mehr als 20 Milliarden Dollar.

In den vergangenen Wochen war es zu heftigen Auseinandersetzungen um die Baustelle gekommen: Laut türkischen Medienberichten hatte Rosatom einer türkischen Baufirma Aufträge entzogen. Diese protestierte gegen das Vorgehen, die Bauarbeiten wurden teilweise eingestellt. Gerüchte machten die Runde, 7000 türkische Bauarbeiter würden ihre Arbeit verlieren. Ein Abgeordneter der türkischen Opposition verbreitete daraufhin auf Twitter Spekulationen, Russland wolle sogar eigenes Militär an der Anlage stationieren und erhob schwere Vorwürfe gegen die türkische Regierungspartei: »Die AKP hat Akkuyu den Russen ausgeliefert«, twitterte Alpay Antmen.

Türkei hat keine Sanktionen verhängt

Nun ist der Konflikt zwischen Rosatom und türkischem Subunternehmer offenbar beigelegt. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur »Bloomberg« übernimmt die türkische Firma wieder die Bauarbeiten . »Bloomberg« beruft sich dabei auf die Aussagen eines namentlich nicht genannten türkischen Beamten. In Russland wiederum meldete die Nachrichtenagentur Interfax, dass »alle Fragen im Zusammenhang mit dem Bau des Kernkraftwerks Akkuyu geklärt« seien.

Der erste von insgesamt vier Reaktorblöcken soll eigentlich bereits im kommenden Jahr ans Netz gehen. Die Türkei ist bislang stark abhängig von Energieimporten – und leidet aktuell ähnlich wie Europa unter den extrem hohen Gaspreisen. Obwohl das Land Nato-Mitglied ist, hat sich die türkische Regierung nicht den Sanktionen gegen Russland angeschlossen. Zuletzt erklärte Präsident Erdoğan, er wolle von Russland die Gewährung eines Preisnachlasses auf Gaslieferungen erreichen.

beb
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