Russland vs. Ukraine Wie Deutschland seine Gasversorgung sichert

Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine hat Deutschland erreicht. Erste Importeure spüren einen Druckabfall in der Pipeline. Frieren muss vorerst dennoch keiner - die Versorgung ist gleich mehrfach gesichert.

Von Christian Wiesel


Hamburg - Die deutschen Erdgaskunden können den dicken Wollpullover im Schrank lassen. Die Gasversorgung ist hierzulande gesichert, auch wenn jetzt durch den Energiestreit zwischen Russland und der Ukraine weniger Gas nach Deutschland strömt.

Gasversorgung in Deutschland: Versorgung für 40 Wintertage gesichert
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Gasversorgung in Deutschland: Versorgung für 40 Wintertage gesichert

Nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gibt es in Deutschland 46 Untertage-Gasspeicher mit einem Gesamtvolumen von knapp 20 Milliarden Kubikmetern - das entspreche fast einem Viertel des 2007 in Deutschland verbrauchten Erdgases. Bei einem Totalausfall der Gaslieferungen stellen die Speicher nach Angaben des Außenhandelsverbandes für Mineralöl und Energie (AFM+E) die Versorgung für 40 Wintertage sicher. Perspektivisch sollen die Speicherkapazitäten noch ausgebaut werden.

Ein solcher Totalausfall ist allerdings äußerst unwahrscheinlich: Zwar bezieht Deutschland mit 37 Prozent den Löwenanteil seines Erdgases aus Russland, doch auch andere Länder liefern den Energieträger. Im Jahr 2007 stammten 26 Prozent des deutschen Erdgasbedarfs aus Norwegen, die Niederlande lieferten 18 Prozent, Großbritannien und Dänemark zusammen vier Prozent. Insbesondere die Niederlande könnten bei plötzlich stärkerer Nachfrage sehr schnell zusätzliches Erdgas bereitstellen, erklärt der BDEW.

Auch in Deutschland selbst wird Erdgas gefördert, nach Angaben des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung vor allem in Niedersachsen. 15 Prozent ihres Erdgasbedarfs kann die Bundesrepublik selbst decken.

Übersicht: Gaspipelines nach Westeuropa
SPIEGEL ONLINE

Übersicht: Gaspipelines nach Westeuropa

Auch wenn Gazprom Chart zeigen überhaupt kein Erdgas mehr über die ukrainische Transitstrecke schicken sollte, würde Deutschland weiterhin russisches Erdgas über die Jamal-Pipeline erhalten, die durch Weißrussland und Polen verläuft. Die Transportkapazität der Leitung beträgt aber nur ein Viertel der ukrainischen Pipeline. Etwa 80 Prozent des russischen Erdgases wird normalerweise durch die Ukraine transportiert.

Die Abhängigkeit Deutschlands vom russischen Erdgas wird künftig noch wachsen, da nach Angaben des Außenhandelsverbandes für Mineralöl und Energie sowohl die deutsche als auch die norwegische, niederländische und dänische Gasproduktion rückläufig ist. Hinzu komme eine steigende Nachfrage von europäischen Nachbarn.

Noch unter der Schröder-Regierung wurde daher der Bau einer zusätzlichen Pipeline durch die Ostsee beschlossen, die 2010 in Betrieb gehen soll. Mit ihr würden durch die direkte Anbindung Deutschlands an Russland zumindest die Unwägbarkeiten im russisch-ukrainischen Verhältnis umschifft. Beobachtern zufolge versucht Russland mit der harten Haltung im Gasstreit nicht zuletzt, die Notwendigkeit der Ostseepipeline nochmals deutlich zu machen und den Bau zu forcieren.

Mit Material von AP und Reuters



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