Mysteriöse Todesfälle Zwei russische Manager-Familien sterben durch Gewalttaten

Innerhalb von 48 Stunden sind zwei langjährige Topmanager russischer Konzerne, ihre Ehefrauen und Töchter durch Gewalttaten ums Leben gekommen. Waren es erweiterte Suizide der Männer – oder kamen die Mörder von außen?
Filiale der Gazprombank in Moskau (Archivbild)

Filiale der Gazprombank in Moskau (Archivbild)

Foto: Maxim Shemetov / REUTERS

Die mysteriösen, durch Gewalttaten verursachten Todesfälle zweier russischer Top-Manager und ihrer Familienmitglieder in kurzer Zeit stellen die Ermittler in Spanien und Russland vor Rätsel. Beide Männer kamen aus dem Umfeld der russischen Gasindustrie.

Am Dienstag wurden im spanischen Küstenort Lloret de Mar die Leichname des früheren Managers des Gaskonzerns Novatek, Sergey Protosenya, seiner Frau und ihrer 18-jährigen Tochter entdeckt.

Tags zuvor waren in einem Moskauer Appartment der ehemalige Vizepräsident der Gazprombank, Vladislav Avayev, seine Gattin und ihre 13-jährige Tochter tot aufgefunden worden. Novatek ist Russlands wichtigster Exporteur für Flüssigerdgas (LNG); über die Gazprombank laufen Zahlungen für russisches Gas des Pipelinemonopolisten Gazprom.

In beiden Fällen starben alle Opfer durch Gewalteinwirkung. Wer die Täter waren, ist unklar. Haben die beiden Männer zuerst ihre Familienmitglieder und dann sich selbst getötet – oder kamen die Mörder von außerhalb?

Protosenyas Frau und Tochter starben laut der britischen Zeitung »Daily Telegraph«  und der spanischen Zeitung »El Punt Avui«  im Bett der familieneigenen Villa in Lloret an Hieb- und Stichverletzungen. Diese wurden den beiden Frauen offenbar mit einer Axt und einem Messer zugefügt. Der 56-jährige Geschäftsmann selbst wurde erhängt draußen vor der Villa gefunden.

Offenbar kein Abschiedsbrief und keine Blutspuren

Die Ermittler starteten ihre Untersuchung mit der Theorie, dass Protosenya Frau und Tochter umbrachte, ehe er sich selbst erhängte. Allerdings häufen sich die Zweifel an einem solchen Hergang.

So wurde laut einem Polizeisprecher kein Abschiedsbrief entdeckt. Lokalen Medienberichten zufolge sollen auf Protosenyas Kleidung keinerlei Blutspuren gefunden worden sein. Und der Mörder der beiden Frauen soll womöglich Socken als Handschuhe benutzt haben, um auf den Tatwaffen keine Fingerabdrücke zu hinterlassen.

Protosenya stieg 1997 bei Novatek ein und wurde laut dem US-Magazin »Newsweek« 2015 zum Vize-Chairman von Novatek ernannt. Sein Vermögen wurde nach übereinstimmenden Medienberichten schon 2011 auf 440 Millionen Dollar beziffert. Die spanischen Ermittler wollen jetzt die mutmaßlichen Tatwaffen auf DNA-Spuren untersuchen und Bilder der hauseigenen Sicherheitskameras auswerten.

Vladislav Avayev, 51, seine Frau und das Kind kamen Medienberichten zufolge durch Schussverletzungen ums Leben. Entdeckt wurden ihre Leichname demnach durch eine andere Tochter, die zuvor mehrmals versucht hatte, ihre Angehörigen telefonisch zu erreichen – und dann das Apartment aufsuchte.

Auch in diesem Fall gingen die Ermittler zunächst davon aus, dass Avayev zuerst seine Familienmitglieder und dann sich selbst tötete. Aber auch hier teilte die Polizei mit, dass man Verbindungen zu Avayevs Berufs- und Privatleben untersuchen werde.

Ob es Hinweise auf Fremdeinwirkung gibt, ist unklar. Ebenso wie die Fragen, ob die beiden Bluttaten miteinander in Verbindung stehen. Und ob sie etwas mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zu tun haben.

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che
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