Dax, Ölpreis, Rubel Russland eskaliert, Märkte rauschen ab

Die russische Truppenentsendung lässt die Börsen zittern: Der Moskauer Leitindex stürzt ab, auch der Dax und die asiatischen Börsen verzeichnen Verluste. Der Ölpreis steigt auf den höchsten Wert seit sieben Jahren.
Händler an der koreanischen Börse (Archivbild): die Ukrainekrise bleibt das bestimmende Thema

Händler an der koreanischen Börse (Archivbild): die Ukrainekrise bleibt das bestimmende Thema

Foto: YONHAP / EPA

Die Entsendung russischer Truppen in die Separatistengebiete in der Ost-Ukraine sendet die Börsen auf Talfahrt: Der deutsche Leitindex Dax büßte nach dem Handelsstart um zwei Prozent auf 14.435 Punkte ein. Europaweit eröffneten die Börsen ebenfalls mit deutlichen Verlusten. Für das russische Börsenbarometer RTS ging es um neun Prozent bergab, bereits am Vortag hatte der Index rund 13 Prozent verloren.

Auch an den asiatischen Börsen war die Eskalation in der Ukraine das bestimmende Thema, der Hang Seng Index in Hongkong verlor rund drei Prozent. Nach der russischen Entscheidung »sind wir einer militärischen Intervention sehr viel näher, was natürlich die Stimmung an den Märkten deutlich verschlechtern wird«, sagte Carlos Casanova, leitender Asien-Ökonom bei UBP. Die kurzfristige Volatilität an den Märkten sei sowohl durch geopolitische Faktoren als auch durch die US-Notenbank »unerbittlich«. Die Folgen seien höhere Ölpreise, ein Ausverkauf von Aktien und eine Flucht in sichere Anlagen.

So kostete ein Barrel (159 Liter) der Ölsorte Brent am Dienstagvormittag 97,63 US-Dollar. Das waren 2,24 Dollar mehr als am Vortag. Zwischenzeitlich erreichte der Preis für diese Sorte den höchsten Stand seit 2014. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI zog um 3,60 Dollar auf 94,67 Dollar an. Russland ist eines der wichtigsten Ölförderländer. Entsprechend groß ist die Sorge vor einer Angebotsverknappung auf dem Weltmarkt.

Der russische Rubel sank auf den tiefsten Stand seit mehr als 15 Monaten. Im Gegenzug steigt der Dollar auf bis zu 80,58 Rubel. Im Handelsverlauf dämmt die russische Landeswährung ihre Verluste wieder etwas ein. »Mit der Anerkennung der beiden von der Ukraine abtrünnigen ›Volksrepubliken‹ durch Russlands Präsident Wladimir Putin und mit seiner Ankündigung, reguläre russische Truppen dorthin zu entsenden, hat der russische Machthaber die niedrigste Eskalationsstufe gewählt, die möglich war«, sagt Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann.

Anleger suchen nach Sicherheit

Während der eskalierende Konflikt zwischen Russland und der Ukraine den Druck auf die Aktienmärkte verstärkte, steuerten Anleger den als sicher empfundenen Hafen der Staatsanleihen an. So starteten deutsche Bundesanleihen mit Gewinnen in den Handel, auch europäische Anleihen waren gefragt. Analyst Christian Lenk von der DZ Bank schrieb, trotz scharfer Verurteilungen durch den Westen sollte die Anerkennung der Volksrepubliken nur sehr begrenzte Sanktionen auslösen – erst ein Angriff auf das von ukrainischen Truppen kontrollierte Staatsgebiet dürfte weitere Maßnahmen nach sich ziehen. Weiterhin scheine im Ukraine-Konflikt alles möglich, was die Finanzmärkte auf kurze Sicht jeder relevanten Meldung in diesem Zusammenhang ausliefere.

Eine weitere Eskalation des Konflikts könnte also zu deutlichen Kurseinbrüchen führen. Wer langfristig anlegt, kann derlei Schwankungen aber vergleichsweise gelassen sehen: die durchschnittliche Rendite bei einem Anlagezeitraum von 20 Jahren liegt am Aktienmarkt bei rund 8,6 Prozent, zeigen Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts – trotz diverser Krisen und Katastrophen.

mic/Reuters/dpa

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