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01. Februar 2019, 18:09 Uhr

"Nie dagewesene Marktmacht"

E.on-Konkurrenten warnen vor steigenden Strompreisen

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Konkurrenten von RWE und E.on befürchten, die beiden Stromgiganten könnten ein neues Monopol schmieden. Sie wollen kartellrechtlich dagegen vorgehen.

Bei der geplanten milliardenschweren Neuordnung ihrer Geschäftsfelder müssen die beiden Energiekonzerne E.on und RWE mit erheblicher Gegenwehr der Konkurrenz rechnen. Nach Informationen des SPIEGEL sind bei den zuständigen Kartellämtern in Bonn und in Brüssel entsprechende Beschwerden eingegangen. Mehrere Stadtwerke und Konkurrenten wie der Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick wollen gegen den Teilzusammenschluss der beiden Unternehmen vorgehen - auch juristisch.

Konkret monieren Stadtwerke und Lichtblick die aus der Neuordnung der Geschäftsfelder beider Konzerne entstehende Marktmacht des neuen E.on-Konzerns. "Die Verbraucher in Deutschland müssten sich nach einem solchen Zusammenschluss auf deutlich höhere Energiepreise einstellen", sagt etwa Gero Lücking vom Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick. Durch die "enorme Marktmacht des neuen E.on-Konzerns erhielte der ohnehin rudimentär ausgeprägte Wettbewerb einen weiteren schweren Rückschlag", sagt Lücking. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

Kritik kommt auch von den Stadtwerken: "Sollten die Kartellämter dem Zusammenschluss keinen Riegel vorschieben, entstünde ein Konzern mit historisch nie dagewesener Marktmacht", sagt auch Ines Zenke von der auf Energierechtsfragen spezialisierten Kanzlei Becker Büttner Held in Berlin. Sie vertritt diverse Stadtwerke und Regionalversorger.

Abdeckung: 70 Prozent aller Kunden

Um die Argumentation zu untermauern, hat Lichtblick bei einer darauf spezialisierten Agentur eine umfangreiche Marktanalyse in Auftrag gegeben. Sie liegt inzwischen auch den Kartellämtern vor und zeichnet bei einer Genehmigung des Milliardendeals ein bedrohliches Bild für Wettbewerb und Verbraucher in Deutschland.

Konkret würde die Kundenzahl bei E.on nach Berechnungen von Lichtblick von heute 5,1 Millionen auf dann 11,7 Millionen hochschnellen. Die verkaufte Strommenge stiege von 17 auf 37 Millionen Terawattstunden. Bundesweit würde E.on auf knapp zwei Drittel der Fläche über 70 Prozent der Stromkunden abdecken. Mit Einfluss auf mehr als 160 verschiedene Strommarken und 840 Tarife wäre der Konzern in den meist regional geführten Preiskämpfen kaum zu schlagen.

E.on und RWE hatten den Milliardendeal im März vergangenen Jahres vorgestellt. Er sieht vor, dass E.on die Stromnetze, die Kunden, den Vertrieb und neue Zukunftsgeschäftsfelder übernimmt, die RWE bei seiner Tochter Innogy in Essen gebündelt hat. RWE soll sich im Gegenzug von E.on die Sparte mit den erneuerbaren Energien einverleiben können. Außerdem soll das Unternehmen eine fast 17-prozentige Beteiligung an dem dann neu entstandenen Energieriesen E.on erhalten. E.on und RWE haben den Deal in den vergangenen Tagen zur Prüfung bei den Kartellämtern angemeldet. Beide Unternehmen beteuern, keine negativen Auswirkungen auf den Wettbewerb zu sehen.

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