"Nie dagewesene Marktmacht" E.on-Konkurrenten warnen vor steigenden Strompreisen

Konkurrenten von RWE und E.on befürchten, die beiden Stromgiganten könnten ein neues Monopol schmieden. Sie wollen kartellrechtlich dagegen vorgehen.

Die Vorstandsvorsitzenden: Rolf Martin Schmitz (r.) von RWE und Johannes Teyssen von E.ON (Archiv)
DPA

Die Vorstandsvorsitzenden: Rolf Martin Schmitz (r.) von RWE und Johannes Teyssen von E.ON (Archiv)


Bei der geplanten milliardenschweren Neuordnung ihrer Geschäftsfelder müssen die beiden Energiekonzerne E.on und RWE mit erheblicher Gegenwehr der Konkurrenz rechnen. Nach Informationen des SPIEGEL sind bei den zuständigen Kartellämtern in Bonn und in Brüssel entsprechende Beschwerden eingegangen. Mehrere Stadtwerke und Konkurrenten wie der Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick wollen gegen den Teilzusammenschluss der beiden Unternehmen vorgehen - auch juristisch.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 6/2019
Gorch Fock: Einst Stolz der Marine, heute Symbol für das Elend der Bundeswehr

Konkret monieren Stadtwerke und Lichtblick die aus der Neuordnung der Geschäftsfelder beider Konzerne entstehende Marktmacht des neuen E.on-Konzerns. "Die Verbraucher in Deutschland müssten sich nach einem solchen Zusammenschluss auf deutlich höhere Energiepreise einstellen", sagt etwa Gero Lücking vom Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick. Durch die "enorme Marktmacht des neuen E.on-Konzerns erhielte der ohnehin rudimentär ausgeprägte Wettbewerb einen weiteren schweren Rückschlag", sagt Lücking. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

Kritik kommt auch von den Stadtwerken: "Sollten die Kartellämter dem Zusammenschluss keinen Riegel vorschieben, entstünde ein Konzern mit historisch nie dagewesener Marktmacht", sagt auch Ines Zenke von der auf Energierechtsfragen spezialisierten Kanzlei Becker Büttner Held in Berlin. Sie vertritt diverse Stadtwerke und Regionalversorger.

Abdeckung: 70 Prozent aller Kunden

Um die Argumentation zu untermauern, hat Lichtblick bei einer darauf spezialisierten Agentur eine umfangreiche Marktanalyse in Auftrag gegeben. Sie liegt inzwischen auch den Kartellämtern vor und zeichnet bei einer Genehmigung des Milliardendeals ein bedrohliches Bild für Wettbewerb und Verbraucher in Deutschland.

Konkret würde die Kundenzahl bei E.on nach Berechnungen von Lichtblick von heute 5,1 Millionen auf dann 11,7 Millionen hochschnellen. Die verkaufte Strommenge stiege von 17 auf 37 Millionen Terawattstunden. Bundesweit würde E.on auf knapp zwei Drittel der Fläche über 70 Prozent der Stromkunden abdecken. Mit Einfluss auf mehr als 160 verschiedene Strommarken und 840 Tarife wäre der Konzern in den meist regional geführten Preiskämpfen kaum zu schlagen.

E.on und RWE hatten den Milliardendeal im März vergangenen Jahres vorgestellt. Er sieht vor, dass E.on die Stromnetze, die Kunden, den Vertrieb und neue Zukunftsgeschäftsfelder übernimmt, die RWE bei seiner Tochter Innogy in Essen gebündelt hat. RWE soll sich im Gegenzug von E.on die Sparte mit den erneuerbaren Energien einverleiben können. Außerdem soll das Unternehmen eine fast 17-prozentige Beteiligung an dem dann neu entstandenen Energieriesen E.on erhalten. E.on und RWE haben den Deal in den vergangenen Tagen zur Prüfung bei den Kartellämtern angemeldet. Beide Unternehmen beteuern, keine negativen Auswirkungen auf den Wettbewerb zu sehen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.



insgesamt 55 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
zwooosh 01.02.2019
1. Strom MUSS teuer sein
Energie, solange sie konventionell gewonnen wird, muss teuer sein. Sonst legen wir eine ähnliche Mentalität zu Tage wie bei Lebensmitteln, wo heutzutage ja alles, was abgelaufen ist, entsorgt wird, Stichwort Verschwendung. Solange die Lobbyisten ihr Werk tun und billige, umweltschädliche Energie als Gemeingut und sicherheitsrelevant verkaufen, solange sind wir blind in unserer Verantwortung für unsere Kinder und Enkel.
m.klagge 01.02.2019
2. Aber das ist doch von den feinen Damen und Herren in Berlin
genau so gewollt. Immerhin gibt es nette Aufsichtsratposten und mit Sicherheit noch andere Wohltaten für die, die es sich politisch verdient haben. Angefangen hat die "Energiewende" bekanntlich als bunter Haufen von Kleinstunternehmern. Dann kam die große Politik und hat das System so umgebaut, dass ein paar Großkonzerne den Reibach machen während das blöde Wahlvieh die Zeche bezahlt.
wollipößneck 01.02.2019
3.
Grüne Kapitalisten wie Lichtblick lenken vom eigentlichen Problem der steigenden Strompreise ab. Das ist die Energiewende. 80 Prozent im Strompreis sind staatliche Anteile, wie Steuern Umlagen, Gebühren oder Entgelte. Der Spielraum für Beschaffung und Vertrieb von ca. 20 Prozent ist gering. Übrigens vor der Energiewende und dem Energiewirtschaftsgesetz lagen die Strompreise bei unter 20 Cent pro kwh und das bei einem Markt, der nicht liberalisiert war. Der Ausstieg aus der Braunkohleverstromung und der Kernenergie wird zu drastisch steigenden Strompreisen führen. Es wäre ein Lichtblick, wenn Lichtblick die wahren Umstände deutlich macht.
amon.tuul 01.02.2019
4. Fragen
EU soll sich doch komplett integrieren. Energiepolitik ist sehr relevante Stellgrösse für Infrastrukturen und Siedlungspläne, Alles. Wieso darf Strom in Frankrrich oder Polen zum halben Preis verkauft werden? Warum ist EAuto Strom ebenso teuer? Wohne ich an der Grenze, kann ich ne ETankstelle aufmachen und Kabel rüberhängen? Verrücktes Deutschland.
amon.tuul 01.02.2019
5. Wer teure Energie will
muss sich damit beschäftigen, dass sowas in Deutschland vor allem Leute mit kläglichen Einkommen trifft. Die Zumuter sind meist selber gut gebettet.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.