RWI-Prognose Experten erwarten Erfolg des Konjunkturpakets

Das neue Konjunkturpaket könnte die Rezession in Deutschland deutlich abfedern. Davon gehen nach Informationen des manager magazins führende Wirtschaftsforscher aus - die Regierungspläne sichern ein halbes Prozent Wachstum und Hunderttausende Jobs.

Hamburg - Positive Nachrichten in Zeiten der Krise: Das zweite Konjunkturpaket des Bundes soll 2009 in Deutschland deutliche Auswirkungen auf Wachstum und Beschäftigung zeigen. Das hat das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) errechnet. Das manager magazin veröffentlicht in seiner neuesten Ausgabe exklusiv eine Prognose, wonach das Konjunkturpaket 2009 für etwa einen halben Prozentpunkt zusätzliches Wachstum sorgt und hilft, etwa 125.000 Arbeitsplätze zu schaffen oder zu erhalten. 2010 werden es sogar 267.000 Arbeitsplätze sein, so die Vorhersage.

Eisengießerei Magdeburg: Wende im zweiten Halbjahr 2009

Eisengießerei Magdeburg: Wende im zweiten Halbjahr 2009

Foto: DDP

Bei ihren Berechnungen berücksichtigten die RWI-Experten Leistungen des Konjunkturpakets in Höhe von insgesamt 37 Milliarden Euro. Die Auswirkung des Pakets berechneten sie als positive Abweichung von einem Basisszenario, das von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um zwei Prozentpunkte im laufenden Jahr ausgeht.

Auch andere Institute optimistisch

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, Michael Hüther, erwartet ebenfalls einen scharfen, aber relativ kurzen Einbruch der Konjunktur. "Der Sinkflug könnte bereits im zweiten Halbjahr gestoppt sein", sagte Hüther am Mittwoch am Rande einer Konferenz in Erfurt der Nachrichtenagentur dpa.

Damit folgen die Forscher der Linie Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU), der an diesem Donnerstag erneut sagte, Deutschland sei auf einem guten Weg, den Wirtschaftseinbruch zu überwinden. "Eine Katastrophe haben wir nicht, wohl aber wirtschaftlich schwierige Zeiten", sagte der CSU-Politiker bei der Beratung des Jahreswirtschaftsberichts 2009 im Bundestag. Alles in allem setze die Bundesregierung zur Bekämpfung der Rezession 80 Milliarden Euro ein: "Ich bin überzeugt, das Paket wird wirken" - und zwar umso mehr, je weniger es zerredet werde. Schon am Mittwoch hatte Glos bei der Vorstellung des Reports gesagt, er erwarte für die zweite Hälfte 2009 eine Wende bei der Wirtschaftsentwicklung.

Tatsächlich geht die Bundesregierung im Jahreswirtschaftsbericht davon aus, dass die Konjunktur 2009 um rund 2,25 Prozent einbricht. Das wäre die schärfste Rezession seit 60 Jahren. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) warnt, dass die Aussichten für den Euroraum in den kommenden Monaten trüb sind.

Man gehe davon aus, "dass die globale Wirtschaftsschwäche und die sehr gedämpfte Binnennachfrage in den kommenden Quartalen anhalten werden", steht im EZB-Monatsbericht, der an diesem Donnerstag veröffentlicht wurde. Die Spannungen an den Finanzmärkten wirkten sich weiterhin auf die Realwirtschaft aus. Wegen der Finanz- und Bankenkrise sei die Unsicherheit nach wie "außerordentlich hoch".

Drastische Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Gerade jetzt zum Jahresanfang bekommt Exportweltmeister Deutschland immer stärker die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise zu spüren. Sie habe nun auch den Groß- und Außenhandel getroffen, berichtete nun der Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). Bei der gesamtwirtschaftlichen Leistung in Deutschland erwartet der BGA für 2009 einen Rückgang von 2,5 bis drei Prozent. Durch das Wegbrechen des Auslandsgeschäfts sowie der Investitionsgüternachfrage sei im Großhandel ein Umsatzrückgang um bis zu vier Prozent auf 828 Milliarden Euro zu erwarten.

Das frostige Winterwetter, aber auch die Wirtschaftskrise haben nach Experteneinschätzung zum Jahresanfang stark auf den deutschen Arbeitsmarkt durchgeschlagen. Im Januar sei daher die Zahl der erwerbslosen Männer und Frauen auf rund 3,4 Millionen gestiegen, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer dpa-Umfrage. Dies wären rund 300.000 mehr als im Dezember 2008, aber rund 260.000 weniger als im Januar 2008. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen gibt die Bundesagentur für Arbeit (BA) am 29. Januar bekannt.

Gegen den Trend will die Telekom dagegen im Jahr 2009 bis zu 3500 neue Mitarbeiter einstellen. Das gab Personalvorstand Thomas Sattelberger bekannt. Abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung der einzelnen Geschäftssegmente sollen vor allem Absolventen technischer, naturwissenschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Studiengänge, zum Beispiel IT-Experten oder Marketingspezialisten, sowie intern ausgebildete Nachwuchskräfte fest eingestellt werden. Außerdem wolle die Telekom rund 3600 jungen Menschen eine Berufsausbildung anbieten.

50 Milliarden Euro: Eckpunkte des neuen Konjunkturpakets

cvk/dpa/ddp/Reuters