Engpässe in der Luftfahrt Ryanair-Chef: Fliegen ist zu billig

Er war der Pionier des Billigflugs in Europa. Jahrzehntelang hat Ryanair-Chef Michael O’Leary mit ultragünstigen Tickets Kunden geködert und Preiskämpfe angezettelt. Aber nun schwenkt er um.
Schluss mit billig? Michael O’Leary sagt steigende Ticketpreise voraus

Schluss mit billig? Michael O’Leary sagt steigende Ticketpreise voraus

Foto: YVES HERMAN / REUTERS

Der Chef des Billigfliegers Ryanair, Michael O’Leary, hält Fliegen nach eigenen Angaben für »zu billig«.

»Ich finde es absurd, dass jedes Mal, wenn ich nach [London]-Stansted fliege, die Zugreise ins Londoner Zentrum teurer ist als das Flugticket«, sagte O’Leary im Interview mit der »Financial Times«. Fliegen sei »zu billig für das, was es ist«. Es sei wahrscheinlich, dass sich Flüge in den nächsten fünf Jahren verteuern würden.

O’Leary vollzieht damit eine bemerkenswerte Kehrtwende. Der Ire ist der Pionier des Billigflugs in Europa. Jahrzehntelang köderte Ryanair Kunden mit vermeintlich ultragünstigen Tickets (die sich am Ende oft als nicht ganz so günstig herausstellten). Und zettelte Preiskämpfe mit der Konkurrenz an, die O’Leary wegen ihrer höheren Tarife auch gern mal verspottete.

Nun aber hebt auch Ryanair seine Preise an: laut O’Leary von derzeit durchschnittlich rund 40 Euro auf mittelfristig 50 bis 60 Euro pro Ticket. Grund hierfür sei vor allem eine Kombination aus »strukturell höheren« Ölpreisen und steigenden Umweltabgaben.

Laut O’Leary hat seine Fluglinie das Gros ihres Kerosinbedarfs für 2022 noch vor Russlands Überfall auf die Ukraine am Terminmarkt abgesichert: zum Preis von 65 US-Dollar (62 Euro) je 159-Liter-Fass Rohöl. Dennoch seien auch bei Ryanair höhere Ticketpreise unvermeidbar, sagte der Ire. So seien steigende Kosten für Fluglotsen und Personal zu erwarten.

Der branchenweite Personalmangel sorgt seit Wochen an vielen europäischen Flughäfen für Chaos. In der Coronakrise hatten zahlreiche Airlines und Airports, darunter auch die Lufthansa und Fraport, im großen Stil Stellen abgebaut.

Nun, da die Passagiere in Massen zurückkehren, tun sich die Unternehmen schwer, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden.

che
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.