Sanierung General Motors soll neue Galgenfrist bekommen

Die Opel-Mutter General Motors darf auf mehr Zeit im Überlebenskampf hoffen. Sie soll dazu dienen, ungelöste Streitfragen mit Gläubigern und Gewerkschaften zu klären. Nicht zuletzt von deren Kompromissbereitschaft wird abhängen, ob der Autoriese eine Zukunft hat.


New York - Was das Sanierungskonzept betrifft, bleibt die US-Regierung hart: Bis zum kommenden Dienstag muss ein fertiges Papier vorliegen. Wegen der anhaltenden Talfahrt am US-Automarkt müsse GM sein Sanierungskonzept zudem erneut überarbeiten und in einer dann dritten Version um weitere Einsparungen verschärfen, berichten das "Wall Street Journal" und die "Financial Times" am Freitag. Der Hersteller werde dabei aber nicht noch mehr Staatshilfen fordern als ohnehin.

GM-Produktion: Weitere Einschnitte erforderlich
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GM-Produktion: Weitere Einschnitte erforderlich

Die verlangten Zugeständnisse von Gläubigern und Arbeitnehmerseite seien dagegen noch nicht erreicht. Die Regierung werde GM dafür wohl weitere 30 Tage Zeit geben, berichten die beiden Blätter.

GM muss Gläubiger und Gewerkschaften zu großen Zugeständnissen bewegen, um die Bedingungen der US-Regierung erfüllen zu können. Die Gläubiger sollen für einen Abbau des Schuldenbergs Anteile am Konzern erhalten. Die Auto-Gewerkschaft UAW soll solche Anteile statt hoher direkter Zahlungen für die Krankenversicherung von Betriebsrentnern akzeptieren.

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GM verhandle zudem mit der UAW über eine weitere Vereinbarung zum Abbau von bis zu 10.000 Stellen, so das "Wall Street Journal". Erst am Donnerstag hatte der Konzern die Trennung von 7500 Beschäftigten über Abfindungen bekanntgegeben.

GM und Rivale Chrysler können nach früheren Berichten mit neuen Milliarden der Regierung rechnen, allerdings unter scharfen Auflagen. US-Präsident Barack Obama kündigte bereits die Vorstellung eines Rettungsplans "in den nächsten Tagen" an. Die Hersteller müssten aber "drastische Änderungen" vornehmen, um profitabel zu werden.

Die Bundesregierung rechnet bereits in den kommenden Tagen mit einer Entscheidung der US-Regierung zu ihrem weiteren Vorgehen. "Wir stehen in der konkreten Situation, dass die Entscheidung der amerikanischen Regierung bezüglich weiterer Maßnahmen mit Blick auf die amerikanische Konzernmutter GM ansteht", sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Freitag in Berlin. "Die Entscheidung wird in den nächsten Tagen kommen."

Damit werde die Grundlage bestehen, über die weitere Zukunft von Opel zu befinden. Wenn diese Entscheidung gefallen ist, "werden wir dann in einem engen Kontakt bleiben über die weitere Abstimmung der konkreten Schritte zur Umsetzung dieser Entscheidung", sagte Wilhelm.

Darauf hätten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und der US-Präsident Barack Obama in ihrem Videogespräch am Donnerstagabend verständigt. "Beide stimmten darin überein, dass sie sehr eng koordiniert die weiteren Schritte angehen wollen", sagte Wilhelm.

Bundeskanzlerin Angela Merkel werde bei ihrem Besuch des Opel-Standortes Rüsselsheim am Dienstag kommender Woche zum aktuellen Stand in diesem Entscheidungsprozess vor den Opel-Mitarbeitern reden, sagte Wilhelm auf die Frage, ob Merkel bereits konkrete Hilfen ankündigen werde.

Der Besuchstermin sei bereits im Sommer vergangenen Jahres und damit vor dem Beginn der krisenhaften Zuspitzung der Situation bei GM und Opel vereinbart worden, sagte Wilhelm. Die anstehenden aktuellen Entscheidungen hätten insofern keine Rolle bei der Terminfestlegung gespielt.

Zwischen Opel und dem Mutterkonzern gebe es zunehmend Spannungen, berichtete die "Financial Times". Einige Opel-Manager fühlten sich von GM vernachlässigt. Die GM-Europatochter rund um Opel dementierte dies. Sie will aber eigenständiger werden und sucht Investoren.

Inklusive bereits erhaltener Hilfen fordern GM und Chrysler zusammen 39 Milliarden Dollar. Sonst drohe die rasche Pleite. Auch Opel will vom Staat Finanzhilfen. Merkel hat diese vom GM-Sanierungskonzept abhängig gemacht, einen Staatseinstieg bei Opel lehnt sie ab. Das Land Rheinland-Pfalz stellte dagegen eine Beteiligung in Aussicht. Auch hochrangige SPD-Bundespolitiker halten dies für denkbar.

mik/dpa/Dow Jones



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