Sanierungsplan Ford-Aktie rutscht ab

Der neue Ford-Chef Mulally hat dem angeschlagenen Autokonzern einen rigiden Sparkurs verordnet - mit drastischen Folgen an der Börse. Die Ford-Aktien brachen um mehr als 12 Prozent ein.


Detroit - Ford-Papiere sanken am Freitag an der Börse um 11,77 Prozent auf 8,02 Dollar. Unter dem Druck milliardenschwerer Verluste und wegbrechender Verkaufszahlen in den USA hatte Ford seinen Sanierungskurs unter der Leitung des neuen Konzernchefs Alan Mulally drastisch verschärft und unter anderem einen umfangreichen Stellenabbau angekündigt. Die Streichungen sollen zwar zu jährlichen Kostensenkungen im Bereich von fünf Milliarden Dollar beitragen, werden die Bilanz im laufenden Jahr aber deutlicher belasten als gedacht. Zudem werde die Quartalsdividende ab dem vierten Quartal 2006 ausgesetzt.

Die Palette der Sanierungsmaßnahmen, die das Unternehmen am Freitag vorstellte, ist umfangreich: In den USA sollen insgesamt 45.000 Mitarbeiter ihren Hut nehmen. Außerdem soll der Abbau von 25.000 bis 30.000 Stellen von Arbeitern bereits Ende 2008 abgeschlossen sein und damit vier Jahre früher als ursprünglich geplant. Bis 2008 will der zweitgrößte US-Autobauer seine Kapazitäten in Nordamerika um ein Viertel senken. Insgesamt soll das Krisenprogramm die operativen Kosten um fünf Milliarden Dollar (3,9 Milliarden Euro) sreduzieren. Den mehr als 75.000 Arbeitern auf Stundenlohnbasis will der Konzern Abfindungs- oder Vorruhestandsangebote vorlegen.

Das Ziel, bis 2008 in Nordamerika wieder schwarze Zahlen zu schreiben, verschob Ford auf 2009. In Summe sollen nun 16 Werke geschlossen werden, bisher war von 14 die Rede. Ford will sich zudem vom Sportwagenhersteller Aston Martin trennen. Einen Verkauf der Verluste schreibenden Luxusmarke Jaguar lehnte Ford jedoch ab. Darüber war an den Märkten wiederholt spekuliert worden.

Branchenexperten vermissten bei dem Sanierungskonzept den großen Wurf und bemängelten, dass Ford nun erst ein Jahr später als bislang geplant wieder Gewinn machen will. Die Wall Street war enttäuscht darüber, dass Ford keine Firmenverkäufe ankündigte. Allein ein Verkauf der Mehrheit an seiner Finanzsparte Ford Credit könnte Schätzungen zufolge 45 Milliarden Dollar in die Kasse spülen. Andere Branchenexperten verwiesen darauf, dass Ford seine Produktpalette grundlegend überarbeiten müsse.

Derzeit liegt der Marktanteil von Ford noch bei etwa 17 Prozent. Ford glaubt nun nicht mehr daran, diesen Marktanteil zu halten und rechnet vielmehr damit, dass er auf 14 bis 15 Prozent fallen könnte. "Die gesenkten Erwartungen an den Marktanteil zeigen mir, dass sie hier ehrliche Zahlen nennen", sagte Erich Merkle, Analyst bei IRN.

fok/Reuters/AP



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