Sanierungsplan Ford schließt 14 Werke - 30.000 Jobs in Gefahr

Der US-Autobauer Ford will nach Milliardenverlusten in Nordamerika bis 2012 bis zu 30.000 Stellen streichen und 14 Werke schließen. So will der krisengeschüttelte Konzern auf dem heimischen Markt, wo seit Jahren Marktanteile verloren gehen, endlich wieder Boden gut machen.


Dearborn - Im Einzelnen sollen zwischen 2006 und 2012 insgesamt 25.000 bis 30.000 Mitarbeiter ihre Stellen verlieren, wie Ford heute mitteilte. Das ist mehr als ein Viertel der rund 120.000 in Nordamerika Beschäftigten. Bereits im ersten Quartal 2006 sollen 4.000 Mitarbeiter entlassen werden. Auch viele Führungskräfte sind von dem Stellenabbau betroffen.

Ford auf der Automesse in Detroit: Quartalszahlen sind tröstend
DPA

Ford auf der Automesse in Detroit: Quartalszahlen sind tröstend

Unter dem Strich sollen die Personalkosten so um zehn Prozent schrumpfen. Seine Produktionskapazitäten in dem schwierigen Nordamerika-Geschäft will der Autobauer bis 2008 um 1,2 Millionen Autos reduzieren. Die Netto-Materialkosten sollen bis dahin um sechs Milliarden Dollar gesenkt werden. Spätestens 2008 sollen auf dem Heimatmarkt auch wieder schwarze Zahlen geschrieben werden.

Dieses Jahr erwartet der kriselnde Autobauer vor Steuern einen Verlust, 2008 jedoch soll der Konzern wieder rentabel sein. Früheren Presseberichten zufolge sollen unter anderem die Werke in Atlanta, Minneapolis, St. Louis, Wixom sowie St. Thomas in Kanada und Cuautitlan in Mexiko geschlossen werden.

Mit dem Sanierungsplan will Ford die Krisenzeiten endlich hinter sich bringen. Seit zehn Jahren verliert der Konzern in den USA kontinuierlich Marktanteile. Im vergangenen Jahr verkaufte der zweitgrößte US-Autobauer dort 2,9 Millionen Autos und erreichte damit nur noch einen Marktanteil von 17,4 Prozent. 2004 waren es noch 18,3 Prozent und 1990 sogar 24 Prozent.

Die Bilanz für 2005 sieht dementsprechend trübe aus. Über das gesamte Jahr hinweg sank der Gewinn um 43 Prozent auf zwei Milliarden Dollar. 2004 hatte Ford noch 3,5 Milliarden Dollar verdient. In Nordamerika gab es 2005 vor Steuern einen Verlust von 1,2 Milliarden Dollar gegenüber einen Gewinn von 1,6 Milliarden Dollar in 2004.

Nur die Zahlen für das vierte Quartal, die der Autobauer heute kurz vor der Veröffentlichung des lange erwarteten Sanierungsprogramms vorlegte, waren überraschend gut. Der Nettogewinn lag bei 124 Millionen Dollar und damit 19,2 Prozent höher als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Pro Aktie erzielte Ford einen Gewinn von 0,08 Dollar, während die Analysen nur 0,01 Dollar erwartet hatten. Der Quartalsumsatz erhöhte sich auf 47,6 (44,9) Millionen Dollar.

Der Nordamerika-Verlust betrug im Schlussquartal noch 15 Millionen Dollar vor Steuern gegenüber 426 Millionen Dollar in der entsprechenden Vorjahreszeit. In dem Quartalsergebnis sind unter anderem 1,4 Milliarden Dollar Erlös aus dem Verkauf des Autovermieters Hertz enthalten sowie Restrukturierungskosten für Personalabbau in der Höhe von 962 Millionen Dollar.



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