Sanierungsplan HSH Nordbank streicht ein Viertel aller Jobs

Bittere Nachrichten für die Mitarbeiter: Die HSH Nordbank will 1100 Stellen streichen, nachdem sie sich mit ausländischen Wertpapieren verspekuliert hat. Außerdem will sie eine eigene Bad Bank gründen - und verlangt mehrere Milliarden Euro von ihren Eigentümern.


Hamburg - Die angeschlagene HSH Nordbank fordert von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein eine Kapitalspritze von drei Milliarden Euro. Außerdem sollen die Eigentümer Risiken in Höhe von zehn Milliarden Euro durch eine Garantie abdecken. Das schlug Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher am Dienstag vor. Die Länder sind mit zusammen 60 Prozent die Haupteigentümer der Bank.

HSH Nordbank in Hamburg: Eigene "Abbaubank" für faule Wertpapiere
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HSH Nordbank in Hamburg: Eigene "Abbaubank" für faule Wertpapiere

Nonnenmacher kündigte einen Ausfall der Dividende für 2009 und 2010 an. "Das werden sehr schwere Jahre", sagte er. Bis Ende 2012 sollen 1100 der zurzeit rund 4500 Mitarbeiter gehen. Angepeilt würden 3250 Vollzeitstellen, teilte das Institut im Anschluss an eine Sitzung des Aufsichtsrats in Hamburg mit.

Nonnenmacher will außerdem eine sogenannte Bad Bank gründen und faule Wertpapiere der HSH Nordbank auslagern. Diese von ihm "Abbaubank" genannte Einrichtung soll eine Bilanzsumme von 100 Milliarden Euro haben. Dorthin sollen problematische Wertpapiere aus dem Kreditersatzgeschäft sowie das internationale Immobiliengeschäft ausgelagert werden. Durch das Auslaufen der Wertpapiere und den Verkauf von Immobilien soll die Bilanzsumme der Bad Bank bis 2012 auf 50 Milliarden Euro sinken, wie der Vorstandschef sagte.

Das übrige Geschäft bleibt nach Nonnenmachers Vorstellungen in einer Kernbank. Es soll zum Beispiel die Schifffahrtsfinanzierung umfassen, ebenso das Immobiliengeschäft in Deutschland, das Geschäft mit Firmen aus Norddeutschland und das Geschäft mit vermögenden Privatkunden.

Nach Angaben des Vorstandschef ist der Finanzmarktstabilisierungsfonds (Soffin) der Bundesregierung bereit, weiteres Eigenkapital für die HSH Nordbank beizusteuern - allerdings unter der Bedingung, dass die Länder vorher die geforderten drei Milliarden Euro beisteuern und zehn Milliarden Euro Garantie für Altlasten geben.

Am Freitag hatte die Bank einen Verlust von bis zu 2,8 Milliarden Euro für 2008 eingeräumt. Die HSH Nordbank hatte sich mit ausländischen Wertpapieren verspekuliert. Nach den Verlusten braucht sie dringend frisches Eigenkapital.

Bisher ist nicht entschieden, wie die milliardenschweren Finanzhilfen zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg aufgeteilt werden. Die HSH Nordbank hat bereits Kreditgarantien des Soffin von 30 Milliarden Euro zugesagt bekommen. Nach Angaben des Hamburger Finanzsenators Michael Freytag (CDU) sollen die Landeskabinette am kommenden Dienstag über die Zukunft der Bank entscheiden. Bis Ende März sollen die Länderparlamente über diese Pläne beschließen.

Eigentümer der HSH Nordbank sind zu je etwa 30 Prozent die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, zu rund 15 Prozent die schleswig-holsteinischen Sparkassen und zu rund 25 Prozent eine Investorengruppe um die US-Beteiligungsgesellschaft J.C. Flowers. Die Sparkassen wollen bei der Nordbank aussteigen.

kaz/AP/dpa



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