Sanktion gegen Russland Österreich will Gazprom-Speicher im Land künftig sperren können

Die österreichische Regierung hat neue Regeln für den für Deutschland wichtigen Gazprom-Speicher in Haidach beschlossen. Die Nutzung des riesigen Gasreservoirs soll nun verboten werden können.
Speicherstation Haidach bei Straßwalchen: Einer der größten Untertage-Erdgasspeicher Europas

Speicherstation Haidach bei Straßwalchen: Einer der größten Untertage-Erdgasspeicher Europas

Foto: Manfred Fesl / dpa

»Wenn nicht Gazprom speichert, dann bekommen auch andere Zugang«: Österreichs Umweltministerin Leonore Gewessler hat angekündigt, dass dem russischen Konzern künftig die Nutzung des für Deutschland wichtigen Speichers in Haidach entzogen werden kann. Und: Mit weiteren Schritten solle die Abhängigkeit von Gaslieferungen aus Russland verringert werden, sagte die Grünenpolitikerin.

Haidach bei Salzburg ist einer der größten Untertage-Erdgasspeicher in Europa und dient der Versorgung Deutschlands. Ein Teil des Gases wurde bislang von Deutschland in die österreichischen Bundesländer Tirol und Vorarlberg zurückgepumpt. Auch wenn der moderne Speicher derzeit primär die Versorgung deutscher Kunden sicherstellt, spielt er wegen des Rücktransports auch für Österreich eine strategisch eine wichtige Rolle.

Österreich sucht andere Gaslieferanten

Angesichts des Krieges in der Ukraine und der Unsicherheiten rund um die Gasversorgung sollen künftig nach Plänen der Regierung alle Speicher, die auf österreichischem Staatsgebiet liegen, an das österreichische Netz angeschlossen werden. Das bedeutet, dass das Gas aus dem Speicher Haidach direkt an Österreich geliefert werden soll.

Die Regierung in Wien kritisiert, dass der Speicher Haidach derzeit leer sei. Bei der nahe der bayerischen Grenze liegenden Anlage handelt es sich um den zweitgrößten Erdgasspeicher Europas, der zum Teil von der Gazprom-Tochter GSA betrieben wird.

»Diese lagert seit Monaten in diesen Speicher nicht ein, das heißt, der Speicher wird nicht befüllt«, sagte Gewessler. Für die Regierung sei dieser Zustand nicht mehr länger tragbar. Laut der geplanten Verordnung sollen Gasspeicher-Nutzer verpflichtet werden, ungenutzte Kapazitäten anderen anzubieten oder zurückzugeben.

Ein anderer Teil des Speichers wird von der Gazprom-Germania-Tochter Astora genutzt. Weil Gazprom Germania unter deutscher staatlicher Verwaltung steht, wird dieser Teil befüllt.

Österreich plant nun auch insgesamt, seine strategische Gasreserve mithilfe von nicht russischen Anbietern um 7,4 Terawattstunden (TWh) auf 20 TWh aufzustocken. Das entspricht dem Verbrauch von zwei Wintermonaten. Woher das Gas kommen soll, ist noch unklar.

Allerdings soll der russische Anteil an der Versorgung Österreichs von derzeit 80 auf 70 Prozent fallen. Aktuell zählt Österreich noch zu den am stärksten abhängigen Ländern in der Europäischen Union.

apr/dpa/Reuters