Sanktionen gegen Putin Hapag Lloyd schifft nur noch Lebensmittel nach Russland

Mit einem Buchungsstopp reagiert Deutschlands führende Containerreederei auf den Überfall auf die Ukraine. Damit wird Russland weiter isoliert: Auch andere Logistikkonzerne umschiffen es nun.
Hapag-Lloyd-Frachter »Antwerpen Express«: Das Unternehmen nimmt bis auf Weiteres keine Buchungen für Russland-Transporte mehr an

Hapag-Lloyd-Frachter »Antwerpen Express«: Das Unternehmen nimmt bis auf Weiteres keine Buchungen für Russland-Transporte mehr an

Foto: VIVEK PRAKASH / AFP

Deutschlands führende Containerreederei Hapag-Lloyd befördert bis auf Weiteres nur noch Lebensmittel nach und aus Russland. Man habe vor einigen Tagen einen Stopp für Neubuchungen von Russland-Transporten verhängt, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage des SPIEGEL. Und: »Bei den bestehenden Buchungen, die noch ausgeführt werden, geht es ausschließlich um Lebensmittel.«

Mit dem Buchungsstopp reagiert Hapag-Lloyd auf den russischen Überfall Wladimir Putins auf die Ukraine und auf die Wirtschaftssanktionen vieler westlicher Staaten.

Am Dienstagmorgen hatte die bis vor Kurzem weltgrößte Containerreederei Maersk angekündigt, Frachterfahrten von und nach Russland einzustellen – ausgenommen Lieferungen von Lebensmitteln, medizinischen und humanitären Gütern. Auch der neue Branchenführer MSC (Schweiz/Italien) sowie ONE aus Singapur haben den Russland-Verkehr eingeschränkt.

Kostspielige Containertransporte

Durch die Entscheidung dieser Großreedereien, Russland künftig weitgehend zu umschiffen, wird das Land weiter isoliert. Wie groß die Folgen für russische Unternehmen und ihre Lieferketten sein werden, lässt sich noch nicht abschätzen. Schon seit Monaten leiden viele Betriebe weltweit unter Engpässen im globalen Frachtgeschäft. Die Containertransporte sind extrem kostspielig geworden, und oft treffen die Waren mit Verspätung ein.

Hapag-Lloyd und seine Partner liefen bislang vier Häfen in Russland an: Sankt Petersburg an der Ostsee, Novorossiysk am Schwarzen Meer, Wladiwostok und Wostochny an der russischen Pazifikküste. Die wirtschaftlichen Folgen auf das Geschäft des Konzerns dürften sich aber in Grenzen halten. Insgesamt bedient Hapag-Lloyd laut dem Unternehmenssprecher weltweit mehr als 600 Häfen. Die frei werdenden Kapazitäten könnte das Unternehmen auf anderen Routen einsetzen. An Nachfrage mangelt es nicht.

Auch andere Logistikunternehmen umgehen nun Russland: etwa die Post-Tochter DHL. »Einfuhren nach Russland haben wir (…) bis auf Weiteres ausgesetzt, weshalb wir aktuell auch keine Sendungen entgegennehmen, die für Russland bestimmt sind«, teilte DHL mit. Transportleistungen in die und aus der Ukraine hatte das Unternehmen bereits zuvor vorübergehend eingestellt.