SAP-Gründer Hopp im Interview "Ich bin kein Gewerkschaftshasser"

Erfolglos hat die IG Metall versucht, beim Software-Konzern SAP einen Betriebsrat zu installieren. Jetzt will die Gewerkschaft die Ernennung eines Wahlvorstandes gerichtlich durchsetzen. Gegenüber manager-magazin.de sagt SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp, was er von diesem Plan hält.


Frage:

Herr Hopp, die IG-Metall will die Installierung eines Wahlvorstandes zum Betriebsrat vor einem Arbeitsgericht einklagen. Was halten Sie davon?

Ex-SAP-Chef Hopp: "Ich hoffe, dass die Vernunft siegt"
DPA

Ex-SAP-Chef Hopp: "Ich hoffe, dass die Vernunft siegt"

Hopp: Wenn die IG Metall klagen würde, wäre das ein Armutszeugnis.

Frage: Warum?

Hopp: Wer nur neun Prozent der Zustimmung der Belegschaft bekommt, hat keine Legitimation. Aber ich hoffe, dass die Vernunft siegt und dass sich die Gewerkschaften nicht durchsetzen. Die SAP braucht keinen, und schon gar keinen fremdgesteuerten Betriebsrat.

Frage: Die Gewerkschaften sagen, Sie hätten mit Ihrer offen ablehnenden Haltung die Wahl beeinflusst und Druck auf die SAP-Belegschaft ausgeübt.

Hopp: Mir steht es genauso zu, meine Meinung zu äußern, wie es der Gewerkschaft zusteht. Ich kann keinen Druck ausüben und will das auch nicht, denn im Unternehmen habe ich keine operative Funktion mehr.

Frage: Trotzdem werden Sie von der IG-Metall als "Gewerkschaftsfresser" tituliert.

Hopp: Ich bin kein Gewerkschaftsfresser, ich bin auch kein Gewerkschaftshasser. Die Gewerkschaften haben in der Vergangenheit viel Gutes getan, aber ich weiß, dass die Gewerkschaften bei SAP nichts Gutes bewirken werden. An der Globalisierung kommt heute keiner mehr vorbei, das müssen auch die Gewerkschaften lernen.

Frage: Die Initiative für die Betriebsversammlung ging von drei Mitarbeitern aus. Denken Sie, dass diese jetzt isoliert sind?

Hopp: Die Mitarbeiter haben nichts zu befürchten. Ich denke, die haben Charakter genug, das nicht weiter zu verfolgen. Wenn die das tun, tut mir das Leid.

Frage: SAP will hunderte weiterer Arbeitsplätze in China schaffen. Werden deswegen Stellen in Deutschland verloren gehen?

Hopp: Nach meinem Kenntnisstand nicht. Ich weiß, dass in Walldorf Arbeitsplätze geschaffen werden und ich wüsste nicht, warum sich daran etwas ändern sollte.

Die Fragen stellte Karsten Langer, manager-magazin.de



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