SAP Kritische Studie lässt Börsenkurs abstürzen

Eine Studie bescheinigt der Software von SAP ein sehr schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis. Obwohl der Walldorfer Software-Konzern die schwache wissenschaftliche Basis anprangert, kann er nicht verhindern, dass die Anleger in Scharen davonlaufen.


Unbequeme Studie auf Basis der eigenen Referenzkunden: SAP in Walldorf
DPA

Unbequeme Studie auf Basis der eigenen Referenzkunden: SAP in Walldorf

Frankfurt am Main - Die SAP-Aktie verbilligte sich bis gegen 9.20 Uhr um 4,44 Prozent auf 69,98 Euro. Zugleich fiel der Leitindex Dax um 2,78 Prozent auf 2450,74 Punkte.

Händler verwiesen auf eine in der "Financial Times" veröffentlichte Studie des US-Forschungsinstituts Nucleus Reserach, wonach sich eine Mehrheit der SAP-Kunden unzufrieden mit der Software des Walldorfer Konzerns zeigt. Die Studie werfe die Frage auf, ob sich SAP - wie von vielen Analysten erwartet - wegen seiner großen Anzahl Kunden tatsächlich besser als der Softwaresektor entwickeln werde.

In der Studie ermittelte Nucleus Research, dass 57 Prozent der SAP-Kunden glauben, dass die Kosten der SAP-Software höher seien, als die möglichen Einsparungen, die sie ermöglicht. Dabei würden die Kosten für die Lizenzen lediglich 18 Prozent der Investitionssumme betragen, Fachleute und Berater sowie die Schulung der Beteiligten aber würden bis zu 73 Prozent ausmachen.

Die Studie kommt zu einer Zeit, in der viele Unternehmen quer über alle Branchen einen Großteil der Investitionen für Software-Projekte abschreiben, die sie in den Zeiten der Dotcom-Hysterie getätigt hatten. Insgesamt hatten die Forscher 21 der 93 Referenzkunden befragt, die auf der Homepage der Walldorfer aufgelistet sind.

Genau an diesem Punkt aber setzt die Kritik von SAP an. Bei insgesamt 19.000 Kunden sei die Basis viel zu schmal, heißt es in Walldorf. Die Studie lasse deshalb keinerlei Verallgemeinerungen zu. Im Übrigen arbeite SAP selbst noch an einer zuverlässigen Methode, um das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu bewerten.

Die Forscher von Nucleus Research verweisen hingegen auf die Vorauswahl, die SAP mit der Präsentation der Referenzkunden auf seiner Web-Site getroffen haben. Die Erfahrungen in den vergangenen drei Jahren hätten gezeigt, dass auf einer solchen Basis durchaus Aussagen zu treffen seien, die einer kritischen Überprüfung stand hielten.



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