SAP Softwareriese räumt auf

Der Walldorfer Softwarekonzern SAP plant eine Umstrukturierung seiner Unternehmensbereiche. Der frühere Sony-Manager Martin Homlish wird das Marketing von New York aus steuern, die Arbeit in der Entwicklung soll stärker an Kundenwünschen orientiert werden.


SAP-Zentrale in Walldorf: Marketing geht, Vorstand bleibt

SAP-Zentrale in Walldorf: Marketing geht, Vorstand bleibt

Walldorf - Ein SAP-Sprecher teilte am Dienstag mit, dass Homlish in New York einen Stab von rund 180 Mitarbeitern leiten werde, während das europäische Marketing nach Berlin ziehe. Das Unternehmen habe sich für die Metropolen New York und Berlin entschieden, weil es dort einfacher als in Walldorf sei, qualifizierte Mitarbeiter für das Marketing zu werben.

Insgesamt soll die Abteilung aufgestockt werden und kundenorientierter arbeiten. Auch in Walldorf würden künftig Mitarbeiter im Marketing beschäftigt. Die Leitung der Abteilung Kommunikation bleibe ebenfalls in Baden-Württemberg. "Das ist kein Regierungsumzug", erläuterte der Sprecher.

Gleichzeitig will SAP die Struktur des Entwicklungsbereichs straffen und eine zusätzliche Führungsebene einführen. Die so genannten Industrie-Einheiten sollen nur noch für sieben Branchen spezifische Software-Lösungen entwerfen, bislang waren es rund 20. Die neuen Hauptabteilungsleiter sind unmittelbar dem Vorstand untergeordnet und sollen die Arbeit der Einheiten stärker als bisher an wirtschaftlichen Kennzahlen ausrichten.

Wie die "Financial Times Deutschland" (FTD) unter Berufung auf ranghohe SAP-Manager schrieb, soll dabei beispielsweise das interne Berichtswesen so geordnet werden, dass den neu gegründeten 16 Geschäftsbereichen in der Software-Entwicklung exakt die jeweiligen Umsatzerlöse und Kosten zugeordnet werden. Ziel sei es vor allem, einen Deckungsbeitrag je Geschäftsbereich zu errechnen, was bislang nicht überall möglich sei. Dem Bericht zufolge hat SAP-Vorstand Claus Heinrich in einem "FTD"-Gespräch die Überlegungen bestätigt.

Die Umstrukturierung sei "ein letzter notwendiger Schritt", um nicht nur bei den Produkten, sondern auch beim Ertrag wieder an frühere Erfolge anzuknüpfen, betonte der SAP-Sprecher. Der Aktienkurs des im Dax notierten Wertes tendierte zum Dienstagnachmittag fester.

In der Entwicklung sind insgesamt 6000 der weltweit 24.000 Mitarbeiter beschäftigt. SAP zählt zu den führenden Anbietern von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware und erzielte 1999 einen Umsatz von knapp zehn Milliarden Mark.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.