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11. September 2007, 16:23 Uhr

Sarkozys Wirtschaftspolitik

Frankreich bremst Europas Wachstum

Frankreich verpasst Europa einen negativen Schock: Die lahme Wirtschaft des Landes zieht das Wachstum in ganz Europa nach unten. Präsident Sarkozy ist unter Druck - wegen seiner Wirtschaftspolitik gab es schon einen Eklat mit dem deutschen Finanzminister Steinbrück.

Brüssel/Berlin - Für Bundesfinanzminister Peer Steinbrück müssen die Zahlen eine Genugtuung sein. Gerade erst ist bekannt geworden, wie ihn der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy im Streit um die Haushaltspolitik rüde angegangen war. Da springt dem Deutschen die EU-Kommission zu Hilfe: In keinem Land der Europäischen Union werde sich das Wirtschaftswachstum so stark abschwächen wie in Frankreich, teilte Brüssel heute mit.

Frankreichs Präsident Sarkozy: Negativer Schock statt Wachstumsschock
AFP

Frankreichs Präsident Sarkozy: Negativer Schock statt Wachstumsschock

Im Mai hatte die EU-Kommission für Frankreich noch ein Wachstum von 2,4 Prozent vorausgesagt. Nun geht sie für dieses Jahr nur noch von 1,9 Prozent aus. Zum Vergleich: Die Prognose für Deutschland wurde lediglich um 0,1 Prozentpunkte auf 2,4 Prozent gesenkt. Im europäischen Durchschnitt zieht Frankreich damit das Wachstum deutlich nach unten.

Ein Grund für die negative Entwicklung seien die Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten, sagte EU-Währungskommissar Joaquín Almunia. Daneben gebe es aber auch "negative Überraschungen" aus Italien, den Niederlanden und namentlich Frankreich.

Almunia sprach von einem regelrechten "negativen Schock". Damit spielte er in ironischer Weise auf den "Wachstumsschock" an, den Sarkozy eigentlich angestrebt hatte.

Nach Darstellung des EU-Kommissars ist die Verbrauchernachfrage zwar gestiegen. Davon habe die französische Wirtschaft aber kaum profitiert. Denn statt heimische Produkte zu kaufen, hätten die Franzosen vor allem Waren aus dem Ausland importiert. Zugleich exportierten französische Unternehmen vergleichsweise wenig.

Auch im Verhältnis zu Deutschland sorgt die französische Wirtschaftspolitik für Verstimmung. Laut "Rheinischer Post" ist Sarkozy bei einem Treffen mit den EU-Finanzministern mit dem deutschen Ressortchef Steinbrück aneinandergeraten.

Der Bundesfinanzminister habe Sarkozy vorgeworfen, lieber milliardenschwere Steuergeschenke an die Wähler zu verteilen, als sich an den auf Europa-Ebene vereinbarten Sparplan zu halten. Daraufhin habe der Präsident den Finanzminister angefahren: "Was fällt Ihnen ein, in diesem Ton mit mir zu reden!"

wal/AP

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